Süddeutsche Zeitung

Nach Debakel bei der NRW-Wahl:Lafontaine will Linke führen - unter Bedingungen

"Wenn die Partei will, dass ich das mache, dann mache ich das": Oskar Lafontaine erklärt sich bereit, noch einmal Linken-Chef zu werden, stellt im SZ-Gespräch dafür aber Bedingungen. Mit seinen Vorstellungen stößt Lafontaine auf massiven Widerstand in der Partei.

Daniel Brössler, Berlin und Heribert Prantl

Oskar Lafontaine hat sich bereit erklärt, noch einmal den Vorsitz der Partei "Die Linke" zu übernehmen - stellt aber Bedingungen. In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung sagte der Saarländer: "Ich gehe noch einmal in die Verantwortung, wenn die Partei mich wirklich will und wenn das personelle Umfeld stimmt." Damit meint er offenbar, dass Dietmar Bartsch, der seine Kandidatur für den Vorsitz erklärt hat, vorläufig darauf verzichtet.

Lafontaine ließ erkennen, dass er nicht in einer Kampfkandidatur gegen Dietmar Bartsch, den früheren Bundesgeschäftsführer der Partei, antreten will. Er sagte: "Wenn die Partei will, dass ich das mache, dann mache ich das." Die Weichen für die Bundestagswahl müssten jetzt gestellt werden; wenn er sich jetzt in die Pflicht nehmen lasse, dann werde er auch die Hauptverantwortung für diese Wahl tragen - und dafür, dass Personaldebatten nicht weitergehen. Lafontaine kann sich Dietmar Bartsch, der jetzt stellvertretender Fraktionschef der Linken ist, offenbar als seinen Stellvertreter im Parteivorsitz vorstellen. Die Linke muss auf einem Parteitag Anfang Juni in Göttingen eine neue Führung mit zwei Vorsitzenden wählen.

Mit seinen Vorstellungen stößt Lafontaine auf massiven Widerstand östlicher Landesverbände. "Ich kenne es so, dass Kandidaten Angebote machen, nicht Forderungen stellen", sagte der Landesvorsitzende aus Mecklenburg-Vorpommern, Steffen Bockhahn. "Wenn Lafontaine kandidieren will, soll er das endlich tun. Dietmar Bartsch hat seine Kandidatur bereits erklärt", fügte Bockhahn hinzu, der dem Reformerlager zugerechnet wird. Bartsch selbst bekräftigte, dass er antreten wolle. "Wie ich es im November 2011 angekündigt habe, werde ich in Göttingen als Parteivorsitzender kandidieren", teilte er im Internet mit. Dafür habe er in den vergangenen Tagen Unterstützung aus seinem Heimat-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, aus Niedersachsen und auch aus Thüringen erhalten.

Wer wird Spitzenkandidat?

Linken-Chef Klaus Ernst, der die Partei seit dem Rückzug von Gesine Lötzsch alleine führt, sprach sich indes für eine "kooperative Führung" und eine Rückkehr Lafontaines an die Spitze aus. Er und mehrere Mitglieder des Vorstands seien der Auffassung, dass es der Linken mit Lafontaine besser gelingen werde, "mit ihren Inhalten so wahrgenommen zu werden, wie das nötig ist". Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hatte die Linke mit 2,5 Prozent deutlich den Wiedereinzug in den Landtag verpasst. Im Vorstand wurde kontrovers über die Ursachen und eine mögliche Rückkehr Lafontaines an die Parteispitze diskutiert.

An diesem Dienstag soll nun bei einem Treffen der Parteispitze mit den Landeschefs nach Auswegen aus der Führungskrise gesucht werden. Dabei ist eines der Probleme, dass die Linke mindestens zwei Kandidaten benötigt, die bereit sind, die Partei miteinander zu führen. Der Doppelspitze muss laut Satzung mindestens eine Frau angehören. Außerdem gilt inoffiziell ein geografischer und strömungspolitischer Proporz. Bisher ist es aber offenbar weder Lafontaine noch Bartsch gelungen, entsprechende Kandidatinnen zu finden.

Nach SZ-Informationen soll außerdem die Führungsfrage mit der Entscheidung über die Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2013 verknüpft werden. Interesse hat bereits der Fraktionschef im Bundestag, Gregor Gysi, angemeldet. Als mögliche Spitzenkandidaten gelten auch Lafontaine oder Vize-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht.

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SZ vom 15.05.2012/jok
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