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Nach Bombenfund in Bonn:Polizei soll Tatverdächtigen identifiziert haben

Bombenalarm am Bonner Hauptbahnhof

Polizisten untersuchen am 10. Dezember 2012 am Hauptbahnhof in Bonn Reste einer Tasche.

(Foto: dpa)

Die Ermittler kommen im Fall des gescheiterten Bombenanschlags von Bonn offenbar voran: Die Polizei soll mindestens einem Tatverdächtigen auf der Spur sein. Zugleich werden Forderungen nach verstärkter Videdoüberwachung und schärferen Strafen laut.

Nach dem versuchten Anschlag im Bonner Hauptbahnhof führen verschiedene Spuren in die rheinische Islamistenszene. Wie mehrere Medien am Samstag unter Berufung auf Sicherheitskreise berichteten, wurde ein Tatverdächtiger inzwischen identifiziert. Allerdings ist dabei von zwei verschiedenen Männern die Rede - womöglich sind die Ermittler also bereits zwei mutmaßlichen Tätern auf der Spur.

Einen der beiden erkannten die Ermittler Berichten der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) zufolge in Abdirazak B., jenen dunkelhäutigen Mann, der die Bombe am Montag in Bonn deponiert haben soll. Dabei handelt es sich offenbar um einen aus Somalia stammenden Extremisten, der auch über Kontakte zum Terrornetzwerk al-Qaida verfügen soll und somit der radikalislamischen Szene in der Bundesstadt zugeordnet wird.

B. soll sich 2011 der radikalislamischen Shebab-Miliz in Somalia angeschlossen haben, berichtete die FAS unter Berufung auf Angaben aus Sicherheitskreisen. Sie soll in Bonn in Verbindung mit einer Gruppierung namens "Deutsche Shebab" stehen, der vor allem deutsch-somalische Islamisten angehören würden. Auch nach einem Bericht des Magazins Focus gleicht das Phantombild eines der wegen des Anschlagsversuchs in Bonn gesuchten Tatverdächtigen dem Somalier B. Er werde beim Landeskriminalamt in Nordrhein-Westfalen als "Gefährder" eingestuft.

Womöglich Spuren zu weiteren Tatverdächtigen

Gesucht wird dem FAS Bericht zufolge auch nach zwei weiteren Tatverdächtigen. Unter ihnen soll ein hellhäutiger Mann mit Bart sein, der die Tasche mit der Bombe am Bahnhof an seinen dunkelhäutigen Komplizen übergeben haben soll.

Um diesen Mann könnte es sich in dem Bericht des WDR handeln. Darin heißt es ebenfalls, dass einer der drei Tatverdächtigen identifiziert worden sei. Allerdings verwies der Sender dabei nicht auf B. Die Rede war von einem Mann aus dem nordrhein-westfälischen Langenfeld. Der Ort grenzt an Solingen, das demnach neben Bonn als ein Zentrum salafistischer Hassprediger gilt. Allerdings sei nicht klar, ob dieser Verdächtige zur Tatzeit am Bonner Hauptbahnhof oder mit der Planung des versuchten Anschlags beschäftigt war, heißt es beim WDR.

Zum Kreis der Verdächtigen zählt laut einer Meldung des Spiegel auch Omar D., den Polizisten bereits kurz nach der Tat befragten, aber wieder laufenließen. Ob D. nun der dritte Tatverdächtige oder derselbe Mann wie im Bericht des WDR ist, ist unklar.

Schünemann verlangt härtere Konsequenzen

Die Bundesanwaltschaft hatte am Freitag die Ermittlungen zu dem Anschlagsversuch übernommen. Berichten zufolge soll die auf dem Bonner Hauptbahnhof deponierte Bombe gezündet worden seien. Nur aufgrund technischer Probleme erfolgte demnach keine Detonation. "Wir nehmen den Sachverhalt sehr ernst. Er unterstreicht unsere Einschätzung, dass Deutschland im Fadenkreuz des dschihadistischen Terrorismus steht", hatte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zur Übernahme der Ermittlungen durch die Bundesanwaltschaft erklärt. Friedrich sagte weiter, er habe das Bundesamt für Verfassungsschutz und das Bundeskriminalamt angewiesen, "mit allen erforderlichen Ressourcen" die Ermittlungen zu unterstützen.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) forderte als Konsequenz aus dem Anschlagsversuch, den Straftatbestand der Bildung einer terroristischen Vereinigung zu erweitern. Der entsprechende Paragraph 129a des Strafgesetzbuchs solle auch bei Brand- und Sprengstoffdelikten angewendet werden, sagte Schünemann der Welt am Sonntag. Er verlangte auch mehr Videoüberwachung: "Sie muss an Kriminalitätsschwerpunkten dringend ausgeweitet werden. Auf Bahnhöfen ist dies flächendeckend erforderlich", sagte der CDU-Politiker. Dabei müsse es auch möglich sein, die betreffenden Bilder aufzuzeichnen.