Nach Besuch in Tel Aviv Neue Fotos für Angela Merkel

Frauen in Tel Aviv posieren mit einem Pappaufsteller der Kanzlerin.

(Foto: Or Kaplan)
  • Auf einem Gruppenfoto mit Wirtschaftsvertetern während ihres Besuches in Tel Aviv war Kanzlerin Merkel die einzige Frau.
  • Die Kanzlerin kommentierte die Sitation und sagte, sie hätte sich mehr Frauen auf dem Bild gewünscht.
  • In Tel Aviv und anderen Städten namen Frauen das zum Anlass, humorvoll auf die fehlende Diversität in der Tech-Branche hinzuweisen.
Von Alexandra-Föderl Schmid, Tel Aviv

Zum Gruppenbild der Damen gesellten sich nur fünf Männer. Rund achtzig Frauen gruppierten sich um eine lebensgroße Angela-Merkel-Pappfigur mit rotem Blazer, die Hände zur typischen Raute geformt. Davor standen zwei große Schilder mit der Aufschrift in Englisch und Hebräisch: "Tel Aviv is #WithMerkel."

Es war das "alternative Fotoshooting", zu dem einzelne Frauen und mehrere Organisationen für Mittwoch, 18 Uhr, vor dem Tel Aviver Rathaus aufgerufen hatten. Das Ziel dieser Aktion war, ein anderes Bild zu vermitteln von Israels Tech-Branche. Denn beim Treffen von Wirtschaftsvertretern mit Merkel vergangenen Donnerstag im Rahmen der deutsch-israelischen Regierungskonsultationen in Jerusalem war die Bundeskanzlerin von 25 Männern umgeben, die als "Zukunftshoffnungen" tituliert wurden.

Eine humoristische Antwort auf fehlende Diversität

Merkel selbst sprach das Thema an, dass es sich hier offensichtlich um eine sehr männliche Domäne handle. "Es wäre nett, wenn beim nächsten Mal auch Frauen dabei sein würden", sprach sie "eine Ermunterung" aus. Aber auch die deutsche Delegation bestand ausschließlich aus männlichen Teilnehmern.

Beim Alternativtermin in Tel Aviv auf dem Rabin-Platz trafen sich erfahrene Unternehmerinner aus der Branche mit jungen Start-up-Gründerinnen. Auch Orna Berry fand sich ein, die mit Ornet Data Communication Technologies ein Unternehmen gegründet hatte, das 1995 von Siemens aufgekauft wurde. Als erste Frau bekam sie die Position der Chefwissenschafterin im Industrie- und Handelsministerium, sie leitete auch den Bereich industrielle Forschung und Entwicklung. "Es geht um Inklusion in unserer Gesellschaft, das schließt nicht nur Frauen ein. Dass Frauen nicht eingeladen worden sind, das sagt schon viel aus. Dieses Treffen ist ein humoristische Antwort darauf. Die Leute sollen sich raus aus der Komfortzone bewegen und zeigen, dass sie mit solchen Vorgangsweisen nicht einverstanden sind."

Auch einige Männer demonstrieren mit

Karine Nahon ist israelische Informationswissenschaftlerin im Bereich Information, Technologie und Gesellschaft. Sie hat eine Doppelposition als außerordentliche Professorin in der Informationsschule der Universität von Washington und dem Interdisziplinären Zentrum Herzliya inne. "Jedes Unternehmen hat nur einen Mann geschickt und niemand hat sich Gedanken darüber gemacht. Das zeigt, wie stark das Problem der Diskriminierung ist. Man muss die ganze Kultur ändern."

Rony Ross, die jahrzehntelange Erfahrung in der Entwicklung von Software hat und mehrere Firmen im Bereich Informationstechnologie geleitet hat, "ist stolz darauf, dass meine Tochter sagt, sie ist einem geschlechtslosen Haushalt aufgewachsen".

Einer der wenigen Männer in der Runde, Sharan Matorin, der israelische Manager von Startup Grind, sieht seine Teilnahme als Signal: "Diversität ist wichtig. Die Frauen kämpfen jetzt für ihre Positionen und man sieht die Kraft! Es entstehen große Möglichkeit auch für Frauen."

Ähnliche Demonstartionen in aller Welt

Das trifft nicht nur auf Israel zu. Zu einem Foto mit einem "#WithMerkel-Schild", das um den jeweiligen Ort ergänzt wurde, versammelten sich am Mittwoch vornehmlich Frauen in Berlin, New York, Toronto, London und dem Silicon Valley. "Damit soll gezeigt werden, die Repräsentanz von Frauen ist überall ein Thema", sagt Initiatorin Nava Swersky Sofer. In Berlin fanden sich rund fünf Dutzend Frauen und Männer zusammen, in London war die Zahl mit 13 überschaubar.

Verstärkung um einen Mann erhielten die wenigen männlichen Teilnehmer in Tel Aviv durch jemanden, der wie zufällig vorbeischlenderte. Bürgermeister Ron Huldai ließ sich gerne einladen mit den Frauen zu posieren. Der hemdsärmelige Sozialdemokrat stellte sich gleich neben die Pappfigur und legte einen Arm um sie. "Eine exzellente Idee und die richtige Antwort", rief er in die Runde und stand auch noch für Selfies zur Verfügung. Gleich mehrere Frauen vermuteten, dass der Auftritt nicht ganz uneigennützig war: Schließlich steht Ende Oktober ein Urnengang an und auch Huldai will wiedergewählt werden. Dazu braucht er auch Stimmen von Frauen.

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