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Nach Besuch am Yasukuni-Schrein:China und Südkorea boykottieren Japans Regierungschef

"Diese Leute sind Faschisten, die Nazis Asiens": Shinzo Abes Besuch am Yasukuni-Schrein sorgt weiter für Empörung in China. Jetzt erklärt Peking den japanischen Regierungschef sogar für unerwünscht. Auch Südkorea distanziert sich von Abe.

China zieht diplomatische Konsequenzen aus dem Besuch von Japans Ministerpräsident Shinzo Abe in der umstrittenen Kriegstoten-Gedenkstätte Yasukuni. Die Führung des Landes werde Abe nicht mehr empfangen, erklärte ein Sprecher des chinesischen Außenamts. Abe selbst habe die Tür zugeschlagen.

Der japanische Ministerpräsident war der erste Regierungschef seit sieben Jahren, der den symbolträchtigen Ort zu Ehren der japanischen Kriegstoten besuchte. In dem Schrein werden auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt. "Diese Leute sind Faschisten, die Nazis Asiens", sagte der chinesische Sprecher weiter.

Der Besuch Abes wurde nicht nur in China sondern auch in Südkorea mit Verärgerung aufgenommen. Beide Länder waren im Zweiten Weltkrieg von Japan besetzt. Südkorea sagte für kommenden Monat die Teilnahme an geplanten Gesprächen mit Japan über ein Verteidigungsabkommen ab.

Abe hatte nach seinem Besuch erklärt, er hoffe auf eine Gelegenheit, China und Südkorea zu versichern, dass eine Verbesserung der Beziehungen im nationalen Interesse aller Beteiligten liege. Während seiner ersten Amtszeit 2006 und 2007 hatte Abe den Schrein nicht besucht, was er später als "äußerst bedauerlich" beschrieb.

Nicht zuletzt durch den Streit über eine unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer haben sich die japanisch-chinesischen Beziehungen deutlich abgekühlt.

Yasukuni-Schrein Kalkulierte Provokation

Japans Premier Abe besucht umstrittenen Schrein

Kalkulierte Provokation

Er selbst nennt sein Pilgern zwar ein Gelöbnis für den "ewigen Frieden", aber mit seinem Besuch im umstrittenen Yasukuni-Schrein hat Japans Premier Abe die Nachbarn des Landes brüskiert. China und Südkorea kritisieren seine "Schamlosigkeit", und die Spannungen in einer ohnehin schon unruhigen Region wachsen weiter.   Von Christoph Neidhart, Tokio

Gemeinsame Zukunft mit ehemaligen Feinden

Ein Sprecher des Außenamts in Berlin appellierte an alle Seiten "insbesondere von einseitigen Schritten abzusehen, die die Spannungen in der Region nur weiter verschärfen könnten." Ziel müsse sein, gemeinsam eine diplomatische Lösung für die laufenden Auseinandersetzungen zu finden. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte: "Jede Nation muss sich ehrlich darüber Rechenschaft ablegen, welche Rolle sie in den grauenhaften Kriegsereignissen des 20. Jahrhunderts gespielt hat. Auf der Basis dieser ehrlichen Rechenschaft ist dann auch möglich, mit den ehemaligen Feinden eine Zukunft zu bauen."

Am Yasukuni-Schrein, unweit des Kaiserpalastes in Tokio, gedenken die Japaner ihrer etwa 2,5 Millionen Landsleute, die seit 1853 in Kriegen umgekommen sind. Das Shinto-Heiligtum ist höchst umstritten, weil dort auch Kriegsverbrecher geehrt werden, die ein alliiertes Tribunal zum Tode verurteilt hatte. Nach Schätzungen von Historikern hat die japanische Armee vor und während des Zweiten Weltkriegs mehr als 20 Millionen Menschen in Asien getötet.