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Nach Ausschreitungen:Bangladeschs Regierungspartei gewinnt umstrittene Wahlen

BANGLADESH ELCTION VIOLENCE

Anhänger der oppositionellen Bangladesh Nationalist Party (BNP) verbrennen Wahlzettel.

(Foto: dpa)

Mindestens 18 Tote und brennende Wahllokale: Die Parlamentswahlen in Bangladesch waren von blutigen Auseinandersetzungen überschattet - nun hat die Regierungspartei mit einer Zweidrittel-Mehrheit gewonnen. Die Opposition ruft zum Generalstreik auf.

Bei der Parlamentswahl in Bangladesch hat die regierende Awami-Liga mehr als Zweidrittel aller Mandate gewonnen. Der Sieg der Partei von Ministerpräsidentin Scheich Hasina galt bereits vor der Wahl als sicher, da die wichtigste Oppositionspartei die Abstimmung boykottierte.

Die Wahl war von zahlreichen Gewalttaten überschattet worden. Dabei wurden allein am Sonntag sieben Menschen getötet, insgesamt starben mindestens 18 Menschen bei den anhaltenden gewaltsamen Auseinandersetzungen. Mehr als 130 Wahllokale wurden in Brand gesetzt. Anhänger der Opposition versuchten bis zuletzt, die Abstimmung mit Messern und Holzlatten zu verhindern. Die Polizei verteidigte die Wahllokale mit scharfer Munition, einige mussten geschlossen werden.

Die Wahlbeteiligung war sehr niedrig. Viele Wähler blieben zu Hause, weil sie die Gewalt fürchteten, trotz der insgesamt 270.000 Polizisten und Sicherheitskräfte auf den Straßen.

Neben der nationalistischen Oppositionspartei BNP boykottierten 20 weitere Parteien die Wahl, weil im Vorfeld keine Übergangsregierung eingesetzt worden war, die Wahlmanipulationen verhindern hätte können. Weil es durch den Boykott keinen Gegenkandidaten der BNP gab, fielen bereits 127 Mandate an die Awami-Liga. Von den noch umstrittenen Mandaten gewann die Regierungspartei 105 und verfügt damit über 232 der 300 Parlamentssitze.

Direkt nach dem Ende der Abstimmung forderte Osman Faruk, ein Berater von Oppositionsführerin Khaleda Zia, die Annullierung der Wahl und den Rücktritt der Regierung. Er rief ab Montag erneut zu einem landesweiten 48-stündigen Generalstreik auf. BNP-Anführer hatten vor der Wahl immer wieder an die Menschen appelliert, Geschäfte geschlossen zu halten und Straßen und Schienen zu blockieren. Die große Mehrzahl der Menschen im Land akzeptiere die Wahl und ihre Ergebnisse nicht, argumentierten sie.

Hintergrund der Gewalt ist ein erbitterter Machtkampf zwischen BNP-Chefin Zia und Ministerpräsidentin Hasina. Beide Politikerinnen bestimmen seit mehr als 20 Jahren die Geschicke des verarmten Landes in Südostasien, das als Niedriglohn-Land eine Schlüsselrolle für die weltweite Textilindustrie spielt.

© Süddeutsche.de/Reuters/dpa/ebri/sks
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