Nach Anschlag in Berlin:Berliner Weihnachtsmärkte sollen am Dienstag geschlossen bleiben

  • Die Bundesländer wollen die Sicherheitsvorkehrungen auf Weihnachtsmärkten erhöhen.
  • Die Polizei in Nordrhein-Westfalen soll schwerer bewaffnet werden.
  • Die Landesinnenminister haben sich per Telefonschalte über die Lage beraten.

Die Bundesländer überdenken nach dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in der Nähe des Bahnhofs Zoologischer Garten in Berlin ihre Sicherheitskonzepte. "Es wird alles getan, um die bestmögliche Sicherheit im Land zu gewährleisten", sagte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Die Innenminister von Bund und Ländern haben sich per Telefonschalte über die Lage beraten.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums erkläre, dass man übereingekommen sei, die Weihnachtsmärkte in Deutschland weiterhin stattfinden zu lassen. Die Sicherheitsvorkehrungen würden deutlich verstärkt.

In Berlin gibt es allerdings Überlegungen, die Weihnachtsmärkte zumindest an diesem Dienstag geschlossen zu halten. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) habe die Betreiber gebeten, auf eine Öffnung zu verzichten. Dies solle aus Gründen der Rücksichtnahme auf die Opfer und deren Angehörige geschehen. Die Verantwortlichen beraten darüber und wollen sich um 13 Uhr auf einer Pressekonferenz äußern.

"Wir müssen jetzt noch mehr Wachsamkeit und Präsenz zeigen", sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) dem Radiosender WDR 5. Die Polizei in NRW werde in Doppelstreifen und schwerer bewaffnet kontrollieren, außerdem werde es neben den offenen auch verdeckte "Maßnahmen" geben, sagte Jäger. Dabei gehe es insbesondere darum, die islamistische Szene zu beobachten, wenngleich noch nicht sicher sei, ob es sich bei der Tat in Berlin um einen Terroranschlag gehandelt habe.

In Bremen bewertet die Polizei die Lage nach eigenen Angaben neu. Auch im niedersächischen Braunschweig zeigte die Polizei bereits am Montagabend mehr Präsenz rund um den Weihnachtsmarkt, wie ein Sprecher sagte. In Hannover wurden der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zufolge ebenfalls die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Neuralgische Stellen seien zusätzlich gesichert, sagt Bayerns Innenminister Herrmann

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Klaus Bouillon (CDU), sprach von einem "Kriegszustand". Der saarländische Innenminister sagte dem Saarländischen Rundfunk: "Wir müssen konstatieren, wir sind in einem Kriegszustand, obwohl das einige Leute, die immer nur das Gute sehen, nicht sehen möchten." Bouillon kündigte verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an. Es stehe zu befürchten, dass es Nachahmer gebe.

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) forderte indes die Bürger auf, sich nicht einschüchtern zu lassen. Das sei genau das, was solche Täter erreichen wollten, sagte Caffier dem Sender NDR 1 Radio MV. Die Menschen sollten zwar aufmerksam sein, sich aber nicht vom Besuch eines Weihnachtsmarktes abhalten lassen.

Auch die Behörden in Bayern haben die Sicherheitsvorkehrungen für die Weihnachtsmärkte erhöht. In München sei das Personal auf den Märkten verstärkt worden, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Einzelheiten wollte er nicht mitteilen. Im Laufe des Vormittags soll über weitere mögliche Konsequenzen beraten werden.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann verwies bereits am Montagabend darauf, dass die Polizei in diesem Jahr ohnehin ihre Präsenz auf den Märkten deutlich verstärkt habe. Neuralgische oder besonders gefährdete Stellen, etwa am Nürnberger Christkindlesmarkt, seien zusätzlich gesichert worden. "Wir können aber nicht sämtliche bayerische Märkte mit Betonpfosten zupflastern. Wenn es jemand auf den Tod von Menschen anlegt, lässt der sich nur schwer stoppen", sagte Herrmann der Süddeutschen Zeitung am Abend.

© SZ.de/dpa/fued/bepe
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