Nach Anschlag auf Universität in Kenia:Scharfe Kritik an Sicherheitskräften

19-year-old woman rescued 2 days after the attack on Kenyan unive

Kenianische Soldaten in Garissa nach dem Anschlag auf die Universität.

(Foto: dpa)
  • Medien in Kenia üben scharfe Kritik an den Sicherheitskräften. Der Zeitung The Nation zufolge hatten Spezialeinheiten sieben Stunden gebraucht, um am Tatort einzutreffen.
  • Das Verhalten der Sicherheitskräfte weckt Erinnerungen an den Anschlag auf ein EInkaufszentrum in Nairobi 2013, bei dem 76 Menschen getötet wurden.
  • Bei einem der Attentäter soll es sich einem kenianischen Regierungssprecher zufolge um den Sohn eines Regierungsbeamten handeln.

Spezialeinheiten Medien zufolge viel zu spät am Tatort

Vier Tage nach dem Massaker der somalischen Al-Shabaab-Miliz an der Universität des kenianischen Garissa ist scharfe Kritik an der langsamen Reaktion der Einsatzkräfte laut geworden. Zeitungen berichteten, die Spezialkräfte der Polizei hätten sieben Stunden gebraucht, um aus der Hauptstadt Nairobi an den Tatort im Norden des Landes zu gelangen. "Dies ist Fahrlässigkeit von einem Ausmaß, das ans Kriminelle grenzt", schrieb die Zeitung The Nation. Sie erinnerte an Zeugenaussagen, wonach die Täter langsam, mit "offensichtlichem Genuss" mordeten.

Einige Journalisten aus Nairobi gelangten per Straße schneller ins 365 Kilometer entfernte Garissa als die Spezialkräfte, die auf dem Luftweg anreisten. Dem Bericht der Nation zufolge waren zwar die Spezialkräfte in Nairobi um 05.30 Uhr alarmiert worden, nachdem die ersten Berichte des frühmorgendlichen Angriffs der radikalislamischen Rebellengruppe auf die Universität öffentlich wurden. Allerdings traf das Hauptteam der Spezialkräfte erst kurz vor 14.00 Uhr am Tatort ein. Ein erstes Flugzeug brachte demnach zunächst den Innenminister und den Polizeichef nach Garissa.

Erinnerungen an Anschlag auf Einkaufszentrum in Nairobi 2013

Das Blatt warf den Sicherheitskräften vor, mit ihrer verspäteten Entsendung der Spezialkräfte dieselben Fehler begangen zu haben wie beim Al-Shabaab-Angriff auf ein Einkaufszentrum in Nairobi, bei dem im September 2013 76 Menschen getötet worden waren.

Bei dem Angriff in Garissa wurden am Donnerstag 142 Studenten und sechs Sicherheitskräfte getötet. Vier Al-Shabaab-Attentäter hatten den Campus im Morgengrauen gestürmt, dutzende Studenten erschossen und weitere als Geiseln genommen. Während Muslime freigelassen wurden, wurden Christen systematisch ermordet. Erst am Abend beendete die Polizei das Blutbad. Mit dem Angriff wollten die Terroristen Kenia zum Abzug seiner Truppen aus Somalia zwingen, wo sie am internationalen Einsatz gegen Al-Shabaab beteiligt sind.

Ein Terrorist angeblich Sohn eines Regierungsbeamten

An dem Attentat war wohl auch der Sohn eines kenianischen Regierungsbeamten beteiligt. Dies bestätigte Regierungssprecher Mwenda Njoka am Sonntag. Der Anwalt Abdiram Abdullahi war demzufolge von seinem Vater als vermisst gemeldet worden. "Zum Zeitpunkt des Angriffs wurde nach ihm gesucht. Sein Vater hat die Sicherheitsbehörden unterstützt", sagte Njoka.

Der Sprecher bestätigte aber nicht, dass Abdullahi einer der vier getöteten Attentäter sei. Die Zeitung The Star meldete, dass Einwohner in Garissa die Leiche des jungen Mannes erkannt hatten. Sein Vater ist dem Bericht zufolge Landrat im Landkreis Mandera. Dieser liegt im äußersten Nordosten Kenias; am Dreiländereck zwischen Kenia, Somalia und Äthiopien.

© SZ.de/AFP/dpa/cmy/luk
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