Es war eines dieser Fußball-Hallenturniere, die bis in die Nacht gehen, die Stimmung war gut. Es lief das Elfmeterschießen um Platz drei, der Spieler einer türkisch-arabischen Mannschaft nahm Anlauf, die anderen feuerten ihn an, nette Jungs mit Freundinnen ohne Kopftuch; einer rief: "Hau drauf! Der Torwart ist Jude!" Und die anderen lachten. Guter Scherz.
Du Jude. Es gibt nicht nur Hinter-, sondern auch Schulhöfe, wo das als sozialadäquates Schimpfwort gilt. Jüdische Fußballmannschaften bekommen auf dem Platz zu hören, dass man sie hätte vergasen sollen. Wer mit der Kippa durchs falsche Großstadtviertel läuft, wird angepöbelt. Die Prügel für den Rabbiner Daniel Alter, den arabischstämmige Jugendliche vor den Augen seiner Tochter zusammenschlugen - ein Extremfall, aber kein Ausnahmefall. Die Juden sind der Feind. Weil sie böse sind, die Palästinenser töten und die Weltherrschaft wollen, wie das die Leute im Fernseher sagen, der zu Hause läuft.
Abgrund an Fremden- und Judenfeindschaft
Man kann das als Zuwandererproblem sehen und den neuen Antisemitismus besorgt, dann aber doch wieder beruhigt, den Fremden zuschreiben, die da mit ihrer Mischung aus kollektiver Erzählung, Indoktrination und mangelnder Bildung ausgerechnet nach Deutschland gekommen sind, ins Land des Judenmordes. Das ist nicht falsch, genügt aber nicht.
Wie wenig, zeigt die Beschneidungsdebatte, die ja gerade nicht von libanesischen Hauptschülern aus Berlin-Neukölln geführt wird. Sie ist ein notwendiger Diskurs über das Verhältnis von Recht und Religion. Doch sie offenbart auch einen erschreckenden Abgrund an Fremden- und Judenfeindschaft.