Nach Abschuss von Langstreckenrakete US-Botschafterin im Sicherheitsrat: Nordkorea notfalls militärisch begegnen

  • "Die Welt ist zu einem gefährlicheren Ort geworden", erklärt die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.
  • Sie erinnert Pjöngjang an das militärische Potenzial der USA - und schickt auch eine Warnung in Richtung China.
  • Peking sei hauptverantwortlich für die Umsetzung der Sanktionen gegen das nordkoreanische Regime.

Die USA sind im äußersten Fall bereit, Nordkorea mit militärischen Mitteln zur Abkehr von seinem umstrittenen Atomprogramm zu zwingen. Bevorzugt werde aber eine diplomatische Lösung, sagte die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley am Mittwoch bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Die USA verfügten über beträchtliche militärische Mittel. "Wir werden sie einsetzen, wenn wir müssen, aber wir bevorzugen es, nicht in diese Richtung zu gehen." Die USA würden in den kommenden Tagen weitere Sanktionen gegen Nordkorea vorschlagen.

Zuvor hatte der verantwortliche US-General in Seoul erklärt, "Selbstbeherrschung" sei das Einzige, was Amerika und Südkorea davon abhalte, in einen Krieg mit dem Norden zu ziehen. Sollten die politischen Führungen der Allianz etwas anderes entscheiden, sei man jederzeit einsatzbereit, zitiert die New York Times den Vier-Sterne-General. "Es wäre ein schwerer Fehler, sollte irgendjemand etwas anderes annehmen", sagte Vincent K. Brooks, der Befehlshaber der in Südkorea stationierten US-Truppen.

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Nordkorea hatte am Dienstag mit dem Test einer Langstreckenrakete weltweite Kritik ausgelöst. Die Vereinten Nationen verbieten es dem kommunistischen Land, Raketen zu entwickeln oder zu testen. Dennoch testet die Führung in Pjöngjang seit Anfang vergangenen Jahres in bislang nie dagewesener rascher Folge Raketen. Auch zwei der insgesamt fünf Atomtests fanden in diesem Zeitraum statt.

Auch in Richtung China schickte die UN-Botschafterin eine Warnung: Peking solle die Sanktionen der Vereinten Nationen gegen Nordkorea befolgen - andernfalls setze China den gesamten Handel mit den USA aufs Spiel, so Haley. "Die Welt ist zu einem gefährlicheren Ort geworden", sagte sie in ihrer Rede an den Sicherheitsrat. Die USA würden mit China zusammenarbeiten, aber nicht die verfehlten Ansätze der Vergangenheit wiederholen. Die Hauptlast zur Umsetzung der Sanktionen gegen Nordkorea ruhe auf China, dem wichtigsten Handelspartner Pjöngjangs, sagte Haley.

Eine Rakete, die Alaska erreichen könnte

Die USA hatten die Sitzung des UN-Sicherheitsrats gemeinsam mit anderen Staaten einberufen, nachdem klar war, dass Nordkorea tatsächlich eine Interkontinentalrakete abgefeuert hatte. Zunächst hatte es geheißen, dass es sich auch um ein Mittelstreckenrakete handeln könnte. Der Zeitpunkt des jüngsten Starts war offensichtlich als politisches Zeichen gedacht: Er erfolgte nach nordkoreanischer Ortszeit am US-Unabhängigkeitstag, wenige Tage nach dem ersten persönlichen Treffen von US-Präsident Donald Trump und seinem südkoreanischen Kollegen Moon Jae-in sowie kurz vor dem G-20-Gipfel, dem Treffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in Hamburg.

Die USA fürchten, dass Pjöngjang bald in der Lage sein könnte, seine Raketen mit Nuklearsprengköpfen auszustatten. Experten gehen davon aus, dass eine Langstreckenrakete den US-Bundesstaat Alaska erreichen könnte. Um das zu verhindern, will Washington die Sanktionen gegen Nordkorea verschärfen. Auch der südkoreanische Präsident Moon Jae-in forderte bei einem Besuch in Berlin ein entschlosseneres Vorgehen gegen den Norden.

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