Mythos Bernsteinzimmer Der umhegte Nazi schwieg - wenn er denn was wusste

Um einen Eindruck von der Pracht des Zimmers zu vermitteln, entstand in Zarskoje Selo in jahrelanger Kleinarbeit eine Kopie, 2003 stellte sie Kremlchef Wladimir Putin der Öffentlichkeit vor.

Entging der Todesstrafe mit vagen Andeutungen zum Verbleib des Bernsteinzimmers: Erich Koch. Hier eine Aufnahme aus seiner Zeit als Gauleiter

(Foto: Foto: Bundesarchiv)

Koch war in den letzten Kriegswochen für die Evakuierung Ostpreußens verantwortlich, also nahmen die Geheimdienste Warschaus und Moskaus an, dass er auch das Versteck kannte.

Er wurde im Gefängnis ständig von Ärzten betreut, das Essen war gut, er bekam sogar deutsche Presse und Bücher. Der KGB schickte ihm den deutschstämmigen Ethnologen Dmitrij Olderogge, der in Berlin studiert hatte.

Wie aus den SB-Akten hervorgeht, trug Olderogge unter der Kleidung Mikrofone. Doch Koch sei misstrauisch geblieben.

Er habe nur angedeutet, dass die Kisten in einen Königsberger Bunker gebracht worden seien. Dort befänden sich auch Bilder aus seiner persönlichen Sammlung, darunter das einzige zeitgenössische Porträt des Königsberger Philosophen Immanuel Kant.

Mit solch vagen Informationen gelang es ihm, das Interesse an seinem Wohlergehen wachzuhalten.

Den SB-Akten zufolge hat Koch SB und KGB auch vorgeschlagen, für ihn eine Reise nach Königsberg zu organisieren. Dort würde ihm vielleicht eher einfallen, wo genau das Bernsteinzimmer versteckt sei.

Die Dokumente belegen überdies, dass sich offenbar auch andere Geheimdienste für Koch interessierten. Jedenfalls hätten Wächter des Gefängnisses zu Protokoll gegeben, dass ihnen Unbekannte viel Geld geboten hätten, wenn sie Koch in seiner Zelle besuchen dürften.

Der SB konnte jedoch nie aufklären, ob diese Geschichte stimmte und wenn ja, wer dahinter steckte. Koch nahm das Geheimnis, wenn er es denn überhaupt kannte, mit ins Grab. Er hatte begriffen, dass es für ihn eine Art Lebensversicherung war.