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Myanmar:Signal zur Aussöhnung

700 000 Katholiken leben in Myanmar - sie hoffen auf den Papst als Vermittler. Denn der Konflikt mit den Rohingya ist nur einer von vielen in dem Vielvölkerstaat .

Aus allen Richtungen sind die Gläubigen auf das große Feld in Yangon geströmt, zum Beispiel der 70-jährige Jim, der nur einen Namen trägt und zur ethnischen Minderheit der Chin gehört, einem Volk im schwer zugänglichen Nordwesten Myanmars. "So eine Gelegenheit kommt für mich niemals wieder", freut er sich im Gespräch mit einem lokalen Reporter vor Beginn der Messe des Papstes. Um den Heiligen Vater zu sehen, war er mehrere Tage lang unterwegs. "Er wird Frieden für unser Land bringen", sagt er. Ein anderer Gläubige aus Chin sagt, dass Franziskus sicher auch über die Probleme in Rakhine mit der Regierung verhandele, jener Krisenregion, in der Hunderttausende Muslime vor Gewalt ins Nachbarland Bangladesch geflüchtet sind. "Der Papst ist nicht parteiisch", sagt der 68-Jährige. "Deshalb kann er helfen, Frieden zu bringen."

Auf dem Sportgelände versammelten sich am Morgen etwa 150 000 Menschen, angesichts der kleinen Zahl von Katholiken im Land war das eine erstaunlich große Versammlung, die Gläubigen schwenkten Fähnchen, viele trugen ihre traditionellen Gewänder oder auch Hüte mit dem Bild von Franziskus. Innerhalb der katholischen Gemeinden Myanmars, die etwa 700 000 Gläubige umfassen, sind die Erwartungen an den Papstbesuch gewaltig. Unter den 51 Millionen überwiegend buddhistischen Einwohnern bilden Christen nur eine kleine Minderheit von fünf bis sechs Prozent, viele gehören den ethnischen Minderheiten an, die in den Randgebieten des Vielvölkerstaates leben. Dort kämpfen seit Jahrzehnten zahlreiche Rebellengruppen für mehr Eigenständigkeit, die nationale Armee hat sie lange brutal bekämpft, inzwischen ist es vielerorts zwar etwas ruhiger geworden, manche Gruppen halten einen Waffenstillstand, anderswo, etwa in Kachin und Shan, flammt immer wieder Gewalt auf. Im Schatten des Rohingya-Konflikts bekommen diese Brennpunkte allerdings international kaum Aufmerksamkeit. Friedensverhandlungen, die Regierungschefin Aung San Suu Kyi mit den Gruppen angeschoben hat, kommen kaum voran.

Erst im Mai hatten der Heilige Stuhl und Myanmar die Aufnahme diplomatischer Beziehungen erklärt, nachdem Aung San Suu Kyi zu einer Audienz beim Papst empfangen worden war. Dieser Schritt galt als bedeutsam für die künftige Lösung der Konflikte mit den ethnischen Minderheiten, und der Besuch des Papstes ist ein wichtiges Signal zur Aussöhnung. Der Papst griff in seiner Messe das Leiden durch Konflikte auf, die Gewalt haben bei vielen Wunden hinterlassen, sichtbare und unsichtbare. "Wir denken, dass Rache und Zorn Heilung schaffen kann. Aber der Weg der Rache ist nicht der Weg Jesu", predigte Franziskus. Der Weg Jesu sei "radikal anders", weil er auf Hass und Ablehnung mit Vergebung geantwortet habe.

Am Nachmittag traf der Papst den Obersten Rat der buddhistischen Mönche, am Donnerstag wird er eine weitere Messe halten, die sich an die Jugend richtet. Danach sollte er nach Bangladesch weiterfliegen, wo er auch mit geflüchteten Rohingya zusammentreffen wollte. Anders als am Tag zuvor ließ der Papst den Konflikt um die Muslime in Rakhine aber nicht mehr unerwähnt. Er bete dafür, dass die Führung des Landes den Frieden durch "Verständnis und Dialog" fördern werde, um die Konflikte in Rakhine, Kachin und Shan zu beenden, sagte Franziskus. Diese Botschaft enthielt den ersten direkten Bezug zur Rohingya-Krise, auch wenn der Name wieder nicht fiel.

Dieses Schweigen des Papstes hatte in den vergangenen Tagen Kritik ausgelöst. Die Warnung der katholischen Kirche vor Ort, nicht explizit auf den Konflikt um die muslimische Minderheit einzugehen und die Rohingya auch nicht beim Namen zu nennen, sei ernst genommen worden, sagte Papst-Sprecher Greg Burke am Mittwoch in Rangun. "Man kann kritisieren, was gesagt wurde oder was nicht. Aber der Papst wird seine moralische Autorität über diese Frage nicht verlieren." Gleichzeitig wies der Sprecher darauf hin, wie immens die Erwartungen an das Kirchenoberhaupt im Vorfeld gewesen seien: Er freue sich zwar, dass einige Menschen den Papst für allmächtig hielten, sagte Burke, das sei dieser aber nicht: "Die vatikanische Diplomatie ist nicht unfehlbar."

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