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Myanmar:Massenmord am eigenen Volk

Sie lassen sich nicht einschüchtern: Demonstranten in Myanmar protestieren gegen die Militärmachthaber.

(Foto: HANDOUT/AFP)

Entfesselte Armee: Mehr als 100 Menschen sterben in Myanmar am "Tag der Streitkräfte". Die Vereinten Nationen verurteilen die Gewalt scharf, doch das Militär in dem südostasiatischen Land kann sich auf wichtige Verbündete stützen.

Von David Pfeifer, Bangkok

In Myanmar hat die Militärgewalt bei landesweiten Protesten mit mehr als 100 Toten einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die Vereinten Nationen bezeichneten den Samstag als den "blutigsten Tag" seit dem Militärputsch vom 1. Februar. Mehr als 114 Menschen wurden am "Tag der Streitkräfte" getötet, wie das Nachrichtenportal Myanmar Now unter Berufung auf Zahlen aus 44 Städten berichtete. "Die Gewalt ist völlig inakzeptabel und muss sofort aufhören", hieß es von den Vereinten Nationen. Der VN-Sondergesandte für Menschenrechte in Myanmar warf dem Militär "Massenmord" an der eigenen Bevölkerung vor.

Samstag war der schlimmste Tag, seit sich das Militär in Myanmar am 1. Februar wieder an die Macht geputscht hat. Am "Tag des Militärs" feierte sich die Armee selbst, indem sie Zivilisten erschoss. Früher hieß dieser Tag "Resistance Day", weil er den Anfang des Widerstands gegen die japanische Besatzung 1945 markierte, damals angeführt unter anderem vom Vater der nun inhaftieren De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Seit dem Militärputsch gibt es fast täglich Proteste gegen die Machtübernahme. Die Demonstranten fordern Demokratie sowie die Freilassung Aung San Suu Kyis. Ihre Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) hatte die Wahl im November gewonnen. Das Militär erkennt diese jedoch nicht an und spricht von Wahlbetrug.

Die Junta kündigte an: Wer protestiert, riskiert Schüsse "in den Kopf und in den Rücken"

Das vom Militär kontrollierte Staatsfernsehen hatte am Freitag als Warnung ausgegeben, dass Protestierenden "in den Kopf und in den Rücken" geschossen werde. General Min Aung Hlaing, der Anführer der Junta, hielt am Samstag eine Rede, in der er beteuerte, dass das Militär das Volk schützen wolle und nach Demokratie strebe. Während in der Hauptstadt Naypyidaw die Parade lief, stürmte die Armee in vielen Städten ganze Viertel und Wohnhäuser. Die Soldaten erschossen nicht nur Demonstranten, sondern wen sie vorfanden. Das jüngste Opfer war ein Fünfjähriger in Mandalay.

Neben Gesandten aus China und Russland kamen Militärattachés aus Indien, Pakistan, Bangladesch, Vietnam, Thailand und Laos zu Besuch nach Naypyidaw am "Tag des Militärs". Laut russischen Staatsmedien will auch Russlands Militär seine Verbindungen mit der Armee in Myanmar ausbauen, während fast alle westlichen Nationen die Morde an Hunderten Zivilisten einhellig verurteilten.

Heiko Maas: Die Bilder aus Myanmar sind "zutiefst schockierend"

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) teilte am Sonntag mit, die Bilder und Nachrichten aus Myanmar seien "zutiefst schockierend". Die EU habe deutlich gemacht, dass sie das brutale Vorgehen gegen die Bevölkerung in Myanmar nicht hinnehme, und Sanktionen gegen die Militärjunta verhängt.

Recherchen der Süddeutschen Zeitung haben ergeben, dass das Militär in Myanmar während der Niederschlagung der Proteste vor allem den chinesischen Sinotruk-Laster verwendet - Großaktionär ist das deutsche Traditionsunternehmen MAN, das in München ansässig ist. Die Trucks sind, wie auch Aufnahmen des Wochenendes zeigen, das logistische Rückgrat für den Einsatz der Fußsoldaten und wesentlicher Bestandteil für das brutale Vorgehen der Militärjunta in Myanmar.

© SZ
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