AsienUSA kündigen Sanktionen gegen Myanmars Putschisten an

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Solidaritätsdemonstranten in Bangkok protestieren gegen den Hausarrest von Aung San Suu Kyi in Myanmar. Thailands Rolle bei dem Coup ist zwiespältig.
Solidaritätsdemonstranten in Bangkok protestieren gegen den Hausarrest von Aung San Suu Kyi in Myanmar. Thailands Rolle bei dem Coup ist zwiespältig. LILLIAN SUWANRUMPHA/AFP

Eine Demonstrantin wird von scharfer Munition getroffen. Daraufhin weiten sich die Proteste im Land aus. Die USA gehen gegen das Putsch-Regime vor.

Von Arne Perras, München

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Viele Demonstranten in Myanmar packt die Angst, und doch scheint der Wille zum Widerstand immer noch etwas stärker zu sein. Für die älteren Menschen ist es, als seien in diesen Tagen die Dämonen der Vergangenheit zurückgekehrt. Sie erinnern sich, mit welcher Härte das Militär einst zuschlug, um Unterwerfung zu erzwingen. Und die Jungen? Sie verfolgten am Mittwoch geschockt jede Nachricht über das Schicksal einer 20 Jahre alten Studentin in Naypyidaw. Sie hatte am Vortag bei einer Demonstration eine Schusswunde im Kopf erlitten.

Nach SZ-Informationen wurde sie noch am Mittwochmorgen auf der Intensivstation künstlich beatmet. Doch schon zu diesem Zeitpunkt schwand die Hoffnung für die junge Frau. Das Onlinemagazin Irrawaddy zitiert den behandelnden Arzt, der sagt: "Wir können die Kugel nicht entfernen". Später heißt es dann aus Kreisen der demonstrierenden Studenten: "Wir hören, dass sie gestorben ist."

Das Militär bestätigte lediglich, Gummigeschosse einzusetzen. Das Staatsfernsehen, das die Generale seit ihrem Putsch am 1. Februar kontrollieren, stellte es so dar, als würden Einsatzkräfte nur dort mit Härte eingreifen, wo sie selbst Gewalt ausgesetzt seien. Gezeigt wurden etwa Szenen aus der Stadt Mandalay, wo Demonstranten Wasserflaschen auf Mannschaftswagen warfen.

Die Studentin in Naypyidaw allerdings wurde offenbar von scharfer Munition getroffen. In einem Videoclip, der aus einiger Entfernung aufgenommen wurde, ist die Frau zu sehen, in Rot gekleidet und mit einem schwarzen Motorradhelm auf dem Kopf. Sie steht am Rande eines Unterstands und weicht zunächst dem Strahl eines Wasserwerfers der Polizei aus. Wenige Sekunden später dreht sie sich um, ein Schuss ist zu hören, sie bricht zusammen. Die Kugel hat ihren Helm durchschlagen, wie später zu erfahren ist.

US-Präsident Biden kündigt Sanktionen an

Wenn die Abschreckungsstrategie der Putschisten darin bestehen sollte, durch vereinzelte tödliche Gewalt die Massen abzuschrecken, dann scheint dieses mutmaßliche Vorgehen am Mittwoch zunächst nicht zu greifen: Die Proteste der Anhänger von Aung San Suu Kyi weiteten sich immer weiter aus. Auch in kleineren Orten regte sich Widerstand gegen das Militär. "Es wird in fast allen Städten protestiert", übermittelte ein Beobachter im Land, der Informationen über das Ausmaß der Demonstrationen sammelt.

Die USA kündigten nach dem Putsch in Myanmar Sanktionen gegen hochrangige Militärführer an. Diese müssten die Macht wieder abgeben und die demokratische Führung des Landes freilassen, erklärte Präsident Joe Biden am Mittwoch. Seine Regierung unternehme zudem Schritte, um den Zugriff der Armee auf Gelder im Volumen von einer Milliarde Dollar in den USA zu blockieren. Man sei bereit, weitere Maßnahmen zu erlassen, sagte Biden.

"Wir können nicht einfach drinnen sitzen und die Situation so akzeptieren", beschrieb ein Demonstrant aus Yangon, was ihn umtreibt. Er will seinen Namen nicht öffentlich preisgeben, weil er das für lebensgefährlich hält. Die Leute fürchten die Brutalität des Militärs, aber noch mehr haben sie Sorge, was der Putsch für ihre Zukunft bedeuten wird: Unterdrückung, Isolation, wachsendes Elend.

Der "Prinzessinnen-Protest" soll zeigen, dass auch junge Frauen aufbegehren

Ein anderer Mitstreiter der Demokratiebewegung schreibt: "Als wir von der Verletzung der Studentin hörten, waren wir außer uns. Aber wir haben uns gegenseitig über die sozialen Medien daran erinnert, was jetzt unsere Aufgabe ist: dass wir uns darauf konzentrieren, weiter gegen die Junta zu protestieren." Manche sind dabei ähnlich kreativ wie die Demonstranten gegen die Junta im benachbarten Thailand. In Yangon marschierten Frauen in festlichen Kleidern durch die Straßen. Videos vom sogenannten "Prinzessinnen-Protest" verbreiteten sich. "Wir wollen zeigen, dass auch junge Frauen mitmachen gegen den Militärcoup", zitierte das Magazin Frontier Myanmar eine Teilnehmerin.

Die Demonstrationen kippten mancherorts schon ins Bizarre, etwa auf einem Grünstreifen am Inya-See in Yangon. Dort pumpten junge Leute ihre Planschbecken auf und setzten sich - ohne Wasser - einfach hinein. Sie hielten Pappkartons hoch, mit der Aufschrift: "Freiheit für Myanmar" und "Keine Waffe". Dieser Protest werde sie auf eine lange Reise führen, sagt ein 21 Jahre alter Mann. "Da müssen wir einen entspannten Weg finden, ihn durchzuhalten."

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