Myanmar:Junta bittet Ausland um Corona-Hilfe

Myanmar: In der Stadt Mandalay wartet ein Mann vor einer Fabrik darauf, dass seine Sauerstoffflaschen gefüllt werden.

In der Stadt Mandalay wartet ein Mann vor einer Fabrik darauf, dass seine Sauerstoffflaschen gefüllt werden.

(Foto: STR/AFP)

Eine neue Pandemie-Welle trifft Myanmar inmitten von Chaos und Gewalt. Das Militärregime will Unterstützung, aber nur von "freundlich gesinnten" Ländern.

Angesichts einer massiven dritten Corona-Welle im Land bittet die Junta in Myanmar um internationale Hilfe. Die Anfrage richte sich aber ausschließlich an Myanmar "freundlich gesinnte" Länder, berichten myanmarische Medien. Als solche gelten vor allem China, das das Militärregime politisch stützt, Russland als wichtiger Waffenlieferant sowie die Mitglieder des südostasiatischen Staatenbundes Asean.

Der neue Anstieg der Corona-Infektionen trifft Myanmar inmitten von Chaos und Gewalt. "Covid-19 breitet sich sehr schnell über das ganze Land aus. Jeden Tag sterben Hunderte Menschen. Selbst in Großstädten gibt es kaum medizinische Einrichtungen und Hilfe", sagte der Vorsitzende von Caritas Myanmar, Bischof Raymond Sumlut Gam. Im strengen Lockdown müssten die Menschen "vielerorts um ihren Lebensunterhalt kämpfen".

Nach Angaben myanmarischer Medien wurden am Mittwoch etwa 5000 neue Corona-Infektionen registriert. Noch im Mai habe es durchschnittlich nur 50 Infektionen pro Tag gegeben. Offiziell infizierten sich in dem Land der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität zufolge seit Beginn der Pandemie bis Anfang dieser Woche fast 270 000 Menschen, mehr als 7000 starben. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher sein.

Die Lage ist außer Kontrolle - nicht zuletzt, weil die Junta medizinisches Personal, das sich den Protesten gegen den Putsch vom 1. Februar angeschlossen hatte, töten oder verhaften lässt. "Progressive Voice Myanmar", ein Netzwerk aus Bürgerrechtsorganisationen, wirft den Machthabern vor, die Pandemie als Waffe zu missbrauchen - "als kollektive Bestrafung für eine Bevölkerung, die sich entschieden weigert, sich dem Militärregime zu ergeben".

Nur 1,75 Millionen Menschen geimpft

Der UN-Sonderberichterstatter für Myanmar, Tom Andrews, forderte auch deshalb eine Resolution für einen "Covid-Waffenstillstand". Die UN-Mitgliedstaaten könnten nicht länger zuschauen, wie die Junta medizinisches Personal "rücksichtslos angreift, während sich Covid-19 ungehindert ausbreitet".

Erst rund 1,75 Millionen der 54 Millionen Einwohner sind nach Angaben der Junta geimpft. Kritiker werfen ihr vor, Impfstoff wie auch Sauerstoff nur für Militärangehörige und deren Familien "zu horten".

© SZ/KNA/segi/gal
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