bedeckt München 18°

Mutmaßlicher NS-Verbrecher:Csatáry in Budapest festgenommen

Es kommt Bewegung in den Fall Csatáry: Die Budapester Staatsanwaltschaft hat den mutmaßlichen Kriegsverbrecher nach eigenen Angaben festgenommen. Der 97-Jährige soll an der Deportation von knapp 16.000 Juden nach Auschwitz mitverantwortlich sein - und über Jahre hinweg unbehelligt in Budapest gelebt haben.

Der mutmaßliche ungarische NS-Kriegsverbrecher Laszlo Csatáry ist in Budapest festgenommen worden. Dies teilte die Staatsanwaltschaft in Budapest mit.

Csatáry steht derzeit auf der Liste der gesuchten NS-Verbrecher des Simon-Wiesenthal-Zentrums ganz oben. Er soll als ranghoher Polizeioffizier von Kosice im ungarisch besetzten Teil der Slowakei im Frühjahr 1944 eine wichtige Rolle bei der Deportation von 15.700 Juden in das Vernichtungslager Auschwitz gehabt haben und damit für ihren sicheren Tod mitverantwortlich sein.

In Budapest lebte Csatáry bis zuletzt unbehelligt. Am Sontag teilte das Zentrum mit, Reporter der britischen Boulevard-Zeitung The Sun hätten Csatáry in Budapest fotografiert und gefilmt.

Bis zuletzt unbehelligt

Zuroff, Direktor des Wiesenthal-Zentrums, hatte erklärt, der Aufenthaltsort Csatáry sei den ungarischen Behörden bereits länger bekannt gewesen. Zuroff habe Ungarn bereits 2006 Beweise für dessen Verbleib in Budapest vorgelegt, 2011 sogar eine Adresse.

Ob dem 97-Jährigen der Prozess gemacht werden kann, ist unklar. So ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Csatáry im Falle einer Anklage für verhandlungsunfähig erklärt wird. Zudem könnte es schwierig werden, Überlebende zu finden, die als Augenzeugen gegen den Mann aussagen.

Csatáry lebte Jahrzehnte in Kanada

Csatáry war nach Informationen des Wiesenthal-Zentrums nach Kanada geflüchtet, nachdem er im Jahr 1948 in der damaligen Tschechoslowakei in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden war. In Kanada lebte er als Kunsthändler in Montréal und Toronto, bevor er von den dortigen Behörden enttarnt wurde und sich im Jahr 1997 absetzte.

Bis 1944 waren die Juden Ungarns der Vernichtung entgangen, weil das Land ein Bündnispartner der Deutschen war. Ministerpräsident Miklós Kállay widersetzte sich deren Ansinnen, die Deportation seiner eigenen Staatsbürger zu beginnen. Erst im März 1944 besetzte die Wehrmacht das Land. Ab diesem Zeitpunkt begann die Mordmaschinerie sofort zu laufen.

© Süddeutsche.de/AFP/dapd/joku/rela
Zur SZ-Startseite