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Mutmaßlicher Al-Qaida-Anhänger:Deutsch-türkischer Islamist zu sieben Jahren Haft verurteilt

Er soll Mitglied in zwei ausländischen Terrorgruppen gewesen sein: Ein Gericht in Frankfurt hat den deutsch-türkischen Islamisten Emrah E. zu sieben Jahren Haft verurteilt. Seine Anwälte sagen, er habe nur geprahlt. Sie wollen in Revision gehen.

Jeder Gerichtsprozess erzählt eine Geschichte: Manchmal sind es Geschichten von gescheiterten Beziehungen oder Biografien, blöden Zufällen oder noch dümmeren Vorsätzen. Im Fall des Wuppertalers Emrah E. ist es die Geschichte eines gescheiterten Dschihad-Reisenden.

2010 reiste der damals 22-jährige Deutsch-Türke Emrah E. von Wuppertal ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet - um nach Allahs Gesetz zu leben, wie er vor dem Oberlandesgericht Frankfurt erklärte. Nach Überzeugung der Generalbundesanwaltschaft fand E. zunächst bei den "Deutschen Taliban Mudschaheddin" Unterschlupf, bevor er weiterzog in die Kleinstadt Mir Ali, eine Art Auffanglager für Reisende in Sachen Dschihad. Hier soll sich E. einer Untergruppe von al-Qaida angeschlossen haben.

Wenig später holte E. seine Frau und seinen kleinen Sohn nach, auch sein Bruder Bünyamin reiste an. Den daheimgebliebenen Bruder forderte E. am Telefon auf, den nächsten Aldi zu überfallen, das Geld solle er nach Pakistan schicken. Die Telefone der Familie E. wurden längst abgehört, E-Mails abgefangen. So lasen und hörten deutsche Beamte mit, als E. schwärmte, dass seine Einheit "eine Menge Soldaten" getötet habe und Bünyamin für ein Selbstmordattentat ausgewählt worden sei.

Es seien die Prahlereien eines schwadronierenden Halbstarken gewesen, argumentierten die Verteidiger. In der Tat wäre E. nicht der erste Möchtegern-Islamist gewesen, der seine Erlebnisse ausschmückte oder gar erfand. Vor ihm hatten schon andere ihren Familien von Heldentaten im Kampf erzählt, während sie in Wirklichkeit in Pakistans Bergen hockten, Hühnchen grillten und Pepsi tranken.

Alles war erfunden

Im Oktober 2010 starben Bünyamin E. und dessen Freund Shahab D. bei einem amerikanischen Drohnenangriff. Sie waren die ersten von mittlerweile mindestens fünf Drohnenopfern aus Deutschland. Wenige Wochen nach dem Tod seines Bruders rief Emrah das Bundeskriminalamt an: Er wolle Geld und Straffreiheit, denn er habe Informationen über geplante Anschläge. Die Rede war von einer Geiselnahme im Bundestag. Nach Überzeugung der Ermittler war alles erfunden.

Der junge Mann schickte seine Frau zurück nach Deutschland. Er selbst reiste nach Somalia, zur Islamistenmiliz al-Shabab, wo er offenbar schnell zwischen die Fronten von lokalen Milizen und den "Internationalen", also Al-Shabab-Kämpfern aus dem Ausland, geriet. E. wurde von den Islamisten monatelang eingesperrt, bevor er mit einem Handgeld von 9000 Dollar davongejagt wurde. Er floh nach Kenia, von dort weiter nach Tansania, wo er schließlich festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert wurde.

Das Gericht verurteilte Emrah E. am Donnerstag wegen der Mitgliedschaft in zwei ausländischen Terrorgruppen, versuchter Anstiftung zum schweren Raub und Störung des öffentlichen Friedens zu sieben Jahren Haft. Seine Anwälte kündigten Revision an.