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Mut zur Melodie:Zehn Politiker, die besser singen als Andrea Nahles

Mit ihrer Darbietung des Pippi-Langstrumpf-Lieds erntet Andrea Nahles reichlich Spott im Netz. Warum eigentlich? Dass Politiker häufiger singen sollten, zeigen zehn Beispiele, die sich hören lassen können - von Bill Clintons "Imagine" bis zu Wladimir Putins Darbietung eines Pop-Evergreens.

Das hat Andrea Nahles nicht verdient: Fast nur Spott erntet sie für ihre Darbeitung des Pippi-Langstrumpf-Songs im Bundestag (siehe Video oben). Selten kam ein "Ich mach' mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt" so schlecht an wie dieses.

Dabei wollte die SPD-Generalsekretärin doch nur Angela Merkel und das schwarz-gelbe Selbstlob kritisieren. Oder doch die Kanzlerin durch den Vergleich mit der beliebten Anarcho-Heranwachsenden Pipi Langstrumpf heimlich adeln?

Wie dem auch sei: Über die Treffsicherheit bei einigen Tönen lässt sich sicherlich diskutieren, doch Politiker sollten häufiger Mut zur Melodie zeigen. Folgende von Süddeutsche.de ausgewählten Top 10 der singenden Politiker versammeln die besten Darbietungen. Vielleicht schafft es Frau Nahles ja mit der nächsten Gesangseinlage in diese Hitliste.

Platz 10: Hannelore Kraft - New York, New York

Das "Dapdapdadada" in "New York, New York" ist das "Schalalala" des Kosmopoliten. Warum Hannelore Kraft gerade diesen Song auswählt, um den Sieg der NRW-Sozialdemokraten bei der Landtagswahl 2012 zu feiern, bleibt ihr Geheimnis. Alleine für das groovige Mitschwingen und die sichere Tonlage hat sie aber einen Platz in den Top 10 verdient.

Platz 9: Craig Emerson - Whyalla Wipeout

Seinen internationalen Durchbruch erlebte der Australier Craig Emerson nicht durch wirkungsvolle Gesetze oder rhetorisch brillante Reden: Der damalige Handelsminister wurde 2012 mit dem gesungenen Satz "No Whyalla wipe-out, there on my TV, shocking me right out of my brain" weltbekannt. Hintergrund war die Kritik der Opposition an einer CO2-Steuer, die das südaustralische Whyalla "von der Landkarte wischen" werde. Die Antwort sang Emerson zur Melodie des australischen Hits "Horror Movie" aus dem Jahr 1976. Für den Text hatte er mehrere Tage gebraucht, vor dem Team des Nachrichtensenders ABC News führte er den Song dann dafür sogar mehrmals auf, bis die beste Aufnahme im Kasten war. Der Karriere hat sein Auftritt nicht geschadet: Seit seinem politischen Rücktritt im Juni 2013 singt er in einer Satire-Sendung zur gleichen Melodie Kurzbotschaften.

Platz 8: Jürgen Rüttgers - YMCA (Nordrhein-Westfalen-Mix)

"Dat kannste nich' erfinden", würde man im Ruhrpott sagen: Jürgen Rüttgers singt im Fernsehen zur Melodie von YMCA ein Liebeslied an Nordrhein-Westfalen. Nun gut, es war - nicht nur am Outfit zu erkennen - im Karneval und der damalige Landesvater wollte vermutlich etwas Volksnähe zeigen. Aber es gehört Mut dazu, im rhein'schen Sprechgesang Zeilen wie "Hier ist immer was los, hier brennt immer der Baum, für mich war das immer ein Traum" vorzutragen, ohne dabei rot anzulaufen oder peinlich berührt zu blicken. Unbezahlbar ist übrigens auch der Blick des CDU-Parteikollegen Friedrich Merz (ca. 1:10). Undankbar zeigten sich allerdings die Wähler: Wenige Monate später wählten sie Rüttgers ab.

Platz 7: Silvio Berlusconi - Pigalle

Niemand ist wie der junge Adriano Celentano, schon gar nicht der alte Silvio Berlusconi. Allerdings muss man ihm lassen: Rein musikalisch zeigt er beim französischen Chanson "Pigalle" durchaus ein routiniertes Talent. Als junger Mann trat er schließlich als Entertainer auf Kreuzfahrschiffen auf. Das Gericht in Mailand glaube ihm aber nicht, dass er in seiner Villa Bunga-Bunga-Partys nur veranstaltete, um "Witze zu erzählen und Lieder aus meinem Repertoire zu singen".

Platz 6: Barack Obama - Let's stay together

Der US-Präsident kann es: Seine achtsekündige Cover-Version von des Al-Green-Klassikers wurde in sozialen Netzwerken innerhalb von Minuten zum Klassiker. Und das, obwohl im Januar 2012 noch nicht einmal Nachrichtenmangel herrschte. Vielleicht singt er ja zu seinem Amtsausstand 2017 den kompletten Song.

Platz 5: Wladimir Putin - Blueberry Hill

Das Klavierintro wirkt noch etwas unbeholfen, doch dann taut der kühle Wladimir Putin auf. Eigentlich liegen die Stärken des russischen Präsidenten ja eher im Bereich des Sportabenteuers (Riesenfische fangen, mit Kranichen fliegen). Putins Version des Evergreens "Blueberry Hill" kann sich aber durchaus hören lassen, und auch die Besucher der Benefizveranstaltung zeigen sich begeistert. Andererseits: Wer würde sich in Russland schon trauen, Putin auszubuhen?

Platz 4: Boris Jelzin - Kalinka

Die Scorpions hatten den Roten Platz, Boris Jelzin hatte das Rote Rathaus: Der Auftritt des russischen Präsidenten im August 1994 in Berlin gehört sicherlich zu den Höhepunkten politischer Musikdarbietungen hierzulande. Erst dirigierte der damalige Präsident eine Blaskapelle, dann sang er bestens gelaunt den Evergreen Kalinka mit. Um es mit einem YouTube-Kommentatoren zu sagen: "Sowat brauchen wir mehr auf dieser Welt."

Platz 3: Walter Scheel - Hoch auf dem gelben Wagen

Der Auftritt des damaligen Bundespräsidenten im ZDF hat die Messlatte hoch gehängt: Jeder Politiker, der sein Gesangstalent beweisen möchte, muss das seither derartig begeistert und tontreffsicher tun wie dereinst Scheel. Allerdings bleibt beim Blick auf die (bei YouTube zusätzlich asynchron dargestellten) Fernsehaufnahmen ein leichter Playback-Verdacht.

Platz 2: Hugo Chávez - Motivos llaneros

Venezuelas verstorbener Staatspräsident Hugo Chávez war ein Popstar. Kunststück, änderte er doch die Mediengesetze des Landes so, dass er mit seinen Auftritten ständig das öffentlich-rechtliche Programm unterbrechen konnte. Chávez konnte niemand entkommen, neben seinen unterhaltsamen Revolutionstiraden gab der Commandante auch gerne linke Lieder zum Besten, so zum Beispiel in seiner mehrstündigen Sonntagssendung oder auch bei Wahlkampfauftritten wie hier. Platz 2 ist damit eine Hommage an sein musikalisches Lebenswerk.

Platz 1: Bill Clinton - Imagine

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton könnte wahrscheinlich Helge-Schneider-Songs trällern und würde die Massen begeistern. Der Mann, der schon Anfang der Neunziger das Saxophon zum Wahlkampfinstrument machte, singt hier mit 40 arabischen und 40 jüdischen Kindern "Imagine". Ganz leise, verlegen lächelnd und mit rotem Kopf. Und wirkt dadurch eben nicht peinlich berührt, sondern menschlich anrührend. Ein besserer Anlass, ein besserer Song und eine bessere Darbietung als am Dienstag im Bundestag - und die Nummer 1 der kleinen Süddeutsche.de-Hitliste.

Linktipp: Auch Angela Merkel lieferte einmal eine Gesangseinlage. Ihre Version von "Marmor, Stein und Eisen bricht" landete allerdings ebenfalls nicht in den Top 10.

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