Muslimische NS-Helfer Das NS-Regime verordnete Islam-Freundlichkeit

Die sogenannte Islamisierung des Abendlandes also: Hitler fuhr fort zu erklären, dass dies eine schöne Vorstellung sei. "Denn sie hätten damit den germanischen Völkern eine Religion aufgenötigt, die durch ihre Lehre: den Glauben mit dem Schwert zu verbreiten und alle Völker diesem Glauben zu unterjochen, den Germanen wie auf den Leib geschrieben sei.

Infolge ihrer rassischen Unterlegenheit hätten sich die Eroberer auf die Dauer nicht gegen die in der raueren Natur des Landes aufgewachsenen und kräftigeren Einwohner halten können, sodass schließlich nicht die Araber, sondern die mohammedanisierten Germanen an der Spitze dieses islamischen Weltreiches gestanden hätten."

"Barbarossa" in Bildern

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Hitler pflegte diese Erzählung mit der Betrachtung zu schließen: "Wir haben eben überhaupt das Unglück, eine falsche Religion zu besitzen ... die mohammedanische Religion wäre für uns viel geeigneter als ausgerechnet das Christentum mit seiner schlappen Duldsamkeit."

Allerdings schlugen NS-Ideologen solche Töne erst nach einer Reihe von propagandistischen Wendungen an, die viel über rhetorische Flexibilität und Projektionen der Nazis verraten, aber wenig über das Innenleben einer Religion.

Ihre ostentativ betonte Zuneigung zum Islam wird in gleich zwei neuen, wohltuend nüchternen Büchern in einen größeren Zusammenhang gestellt: Die Analyse des in Detmold aufgewachsenen, in Cambridge lehrenden Historikers David Motadel ("Islam and Nazi Germany's War", Cambridge University Press, 2014, erscheint auf Deutsch 2017 bei Klett-Cotta) ist dabei die bislang umfassendste; Francis R. Nicosias "Nazi Germany and the Arab World" (Cambridge University Press 2015) ist fast gleichzeitig erschienen.

Wer deutscher Muslim war, konnte auch NSDAP-Mitglied werden

In Deutschland, so zeigen beide Autoren, musste die nationalsozialistische Freundlichkeit gegenüber dem Islam von oben herab verordnet werden. So unvermittelt kam sie. Noch in "Mein Kampf" hatte Hitler Araber für rassisch minderwertig erklärt, ihren antikolonialen Kampf gegen Briten und Franzosen nannte er eine "Koalition von Krüppeln". Ausdrücklich hatte der NSDAP-Ideologe Alfred Rosenberg in seinem Buch "Mythus des 20. Jahrhunderts" ihre Unterwerfung unter den Stiefel Europas begrüßt.

Davon rückten die Nazis erst nach ihrer Machtübernahme ab, als sich ihr Blick bereits auf Kriegsvorbereitungen und mögliche Bündnisse an den Rändern Europas richtete. Erst da erschien die muslimische Welt plötzlich als reizvoller Partner gegen die Rivalen Frankreich und England - während zugleich auch dort, in London und Paris, die Regierenden nun heftig um den Orient buhlten und zum Beispiel plötzlich Moscheen finanzierten.

Wer ist der vertrauenswürdigere Partner für die Muslime? Vier der sechs "Freiwilligen"-Legionen, welche die Wehrmacht im Osten aufbieten konnte, waren muslimisch: eine Turkestanische Legion mit 110 000 bis 180 000 Soldaten, eine Kaukasisch-Mohammedanische Legion mit 25 000 bis 38 000 Soldaten, eine Nordkaukasische Legion mit 28 000 sowie eine Wolgatatarische Legion mit 35 000 bis 40 000 Soldaten.

Wehrmachts-Soldat eines Infanteriebataillons der Turkestanischen Legion an der Ostfront.

(Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)

Drei muslimische Bataillone nahmen auf deutscher Seite an der Schlacht um Stalingrad teil, sechs an der Verteidigung Berlins. Ob freilich religiöse Motive bei den Rekruten den Ausschlag gaben, bleibt zweifelhaft. Der Historiker David Motadel zitiert NS-Offiziere, die beklagten, wie wenig Interesse die muslimischen "Freiwilligen" an religiösen Unterweisungen zeigten; es waren Kriegsgefangene, welche die deutsche Uniform oft nur anzogen, um am Leben gelassen zu werden.

Die Nationalsozialisten begannen, ideologische Parallelen zu suchen, und sie warnten, die Alliierten hätten ein Interesse, "möglichst viele Muselmannen (sic) töten zu lassen". Das schrieb die SS in Bosnien in einem Pamphlet, das sich an die muslimischen Rekruten richtete, und es ging noch weiter.

Die SS erinnerte daran, dass 232 Millionen Muslime "unter englischer, amerikanischer, französischer und russischer Fremdherrschaft" lebten, sparte zugleich freilich aus, dass den NS-Führern wenig anderes vorschwebte als das. Nur Deutschland achte wirklich den Islam. "Wird Deutschland vernichtet, so schwindet auch die letzte Möglichkeit für Euch Muselmannen, jemals frei zu werden."