Muslimbrüder in Ägypten Tote bei Protesten in Kairo

In mehreren ägyptischen Städten kommt es bei Demonstrationen der Muslimbrüder zu gewaltsamen Ausschreitungen. Die Polizei setzt Tränengas ein, auf dem Tahrir-Platz in Kairo wird aus Militärfahrzeugen mit scharfer Munition geschossen. Mehrere Menschen sterben.

In mehreren Städten Ägyptens sind am Freitag Proteste der Muslimbrüder in Gewalt umgeschlagen. Mehrere Menschen kamen bei Zusammenstößen ums Leben. Mindestens vier Anhänger der islamistischen Vereinigung wurde Vertretern des Gesundheitsdienstes zufolge bei Ausschreitungen in Kairo erschossen. Der Nachrichtensender al-Dschasira berichtet, dass acht Menschen verletzt wurden.

Nahe des Tahrir-Platzes in der Innenstadt wurde aus Militärfahrzeugen mit scharfer Munition geschossen, die Polizei setzte Tränengas ein. Ein Reporter der BBC berichtete von heftigem Geschützfeuer und Explosionen in der Innenstadt.

Die Straßen zum Präsidentenpalast und zum Verteidigungsministerium wurden laut ägyptischen Staatsmedien von Sicherheitskräften abgeriegelt.

Die Demonstranten skandierten Rufe gegen Armeechef Abdel Fattah al-Sissi, der nach Massenprotesten im Sommer den gewählten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi stürzte. Die Demonstrationen waren die größten, seit die Behörden Mitte August Protestlager der Islamisten räumen ließen.

Auch in Alexandria und in der Industriestadt Al-Mahalla gingen Hunderte Anhänger der Muslimbruderschaft und ihre Gegner aufeinander los. Die Polizei setzte auch dort Tränengas ein. In Suez kam es zu weiteren Krawallen.

Das Militär hat Anfang Juli nach Massenprotesten den damaligen Präsident Mursi und seine Regierung abgesetzt. Seither gibt es immer wieder Unruhen. Hunderte Muslimbrüder wurden bislang inhaftiert. Die Islamistenorganisation ist inzwischen verboten.

Bis kommenden Sonntag planen die Muslimbrüder eine Reihe neuer Proteste gegen ihre Entmachtung. Der 6. Oktober ist ein staatlicher Feiertag, an dem die Ägypter an den Angriff ihrer Armee auf die israelischen Truppen 1973 erinnern.