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Museumsdiebstahl:Den Schaden haben alle

Wer Kunstwerke stiehlt oder fälscht, bereichert sich nicht nur unlauter, sondern beschädigt auch das gemeinsame kulturelle Erbe. Daher muss die Kunst künftig besser geschützt werden. Und Kunstdiebe sollten als das gesehen werden, was sie sind: keine Helden, sondern Verbrecher.

Die Schätze in den Museen sind die Schätze aller. Wer Kunstwerke stiehlt oder sie in betrügerischer Absicht fälscht, bereichert sich nicht nur unlauter, sondern er beschädigt auch das gemeinsame kulturelle Erbe. Kunst ist mehr als ihr Geldwert, und die große geprägte Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum war mehr wert als ihr Material.

Inzwischen wurde sie wohl eingeschmolzen, jedenfalls tauchte sie während des Prozesses um den Einbruch in das Museum nicht auf. Zwei Diebe und ihr Helfer, ein Wachmann des Museums, sind nun in Berlin zu mehrjährigen Haftstrafen und zur Rückzahlung des Geldwertes verurteilt worden. Das Strafmaß bleibt unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten. Was überrascht, ist der Gleichmut, mit der dieser Prozess geführt und teilweise auch bewertet wurde, obwohl das Ausmaß des Kunstdiebstahls neu ist und die Gefahr besteht, dass Einbrecher noch mehr Schmuck, Münzen und Skulpturen zum Einschmelzen stehlen. Was bei dem Juwelendiebstahl im Dresdner Grünen Gewölbe schon geschehen ist.

Es ist an der Zeit, Kunst besser zu schützen, Wachleute fest anzustellen, den Schwarzmarkt auszuleuchten, in Museen zu investieren. Ein Beginn wäre es, Kunstdiebe oder -fälscher nicht für Helden zu halten, die lässliche Sünden begehen, sondern für Verbrecher.

© SZ vom 21.02.2020
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