bedeckt München 17°

Museumsbau:Lieber besser als mehr

Berlin setzt auf viele neue und kostspielige Bauten - doch es fehlt an Ideen und Konzepten. Und alte Museen verfallen.

Über den Entwurf für das Museum des 20. Jahrhunderts am Berliner Kulturforum wurde viel diskutiert, als die Architekten Herzog & de Meuron ihn 2016 vorstellten. Nur um eines ging es damals nicht, die Kosten. 200 Millionen Euro, mehr nicht, lautete die Ansage. Das wird sich ändern, wenn Kulturstaatsministerin Monika Grütters am Montag im Haushaltsausschuss erstmals neue Zahlen vorlegt. Weit mehr als 400 Millionen werde der Bau verschlingen, erwartet man, am Ende könnten es 600 werden.

Städtebau und Baukunst und natürlich die Kunst, die in dem neuen Museum an der Potsdamer Straße endlich mehr Platz bekommt, sollten dem Staat viel Geld wert sein. Doch das heißt nicht, dass jedes Projekt durchgewinkt werden muss.

Wie sich die Kosten noch vor Baubeginn mehr als verdoppeln konnten, das ist die eine Frage. Die andere betrifft Berlin allgemein: Während dort an jeder Ecke ein neues Museum gebaut wird, verfallen die vorhandenen Häuser, weil das Geld für den Unterhalt fehlt. Noch dringender fehlen aber Ideen, Konzepte und herausragende Ausstellungen. Kein Wunder, dass etwa das Pariser Centre Pompidou im Jahr fast so viele Besucher hat wie alle Berliner Museen zusammen. Politiker und Funktionäre lieben Neubauten. Doch wer glaubt, sie könnten kulturelles Leben ersetzen, täuscht sich.