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Mursi bei Merkel:Bei einem späteren Termin holt Mursi nochmal aus

Während der Pressekonferenz gibt Merkel nicht zu erkennen, wie viel sie von dem glaubt, was sie hört. "Wir schätzen es auch sehr, dass angesichts einer nicht einfachen innenpolitischen Lage der Besuch, wenn auch verkürzt, heute hier stattfinden konnte", sagt sie gleich zu Beginn. Es bleibt das einzige echte Lob.

Ansonsten spricht die Kanzlerin eher über Erwartungen, Hoffnungen und Angebote. Deutschland wünsche ein Gelingen des Transformationsprozesses, betont Merkel. Wichtig dafür sei eine "gute, gedeihliche wirtschaftliche Entwicklung". Wichtig seien der Gesprächsfaden zu allen politischen Kräften, die Menschenrechte und die Religionsfreiheit - womit die CDU-Vorsitzende auf die Lage der christlichen Kopten in Ägypten abzielt.

Ob auch die antisemitischen Äußerungen Mursis zur Sprache gekommen seien, wird Merkel gefragt. "Wir haben darüber gesprochen", antwortet sie knapp, "und der Präsident hat auch gesagt, was er dazu meint, und deshalb übergebe ich auch an den Präsidenten." Die Zitate seien, erklärt Mursi, aus "ihrem Kontext gerissen" worden, was die Frage offen lässt, in welchem Kontext Israelis als "Nachkommen von Affen und Schweinen" zu bezeichnen richtig sein könnte. "Ich bin nicht gegen das Judentum als Religion. Ich bin nicht gegen die Juden. Es war die Rede von den Praktiken", rechtfertigt sich Mursi. Es sei um Blutvergießen gegangen, das er verurteile.

Mursi wählt seine Äußerungen stets so, dass sie ihm zu Hause keinen neuen Ärger bereiten, möglichst aber auch nicht zu weit hinter den Erwartungen der Gastgeberin zurückbleiben. Mehrmals betont er, wie gut das Verhältnis zu Deutschland sei. "Ich empfinde es so, dass die Haltung Deutschlands von Tag zu Tag unterstützender wird unserem demokratischen Transformationsprozess gegenüber", sagt er. So trage Deutschland ein Viertel einer Fünf-Milliarden-Dollar-Zusage der EU für Ägypten. "Deutschland glaubt an uns", sagt Mursi.

Es sei "ganz wichtig für unsere Wirtschaft, dass wir stabile rechtliche Rahmenbedingungen haben", präzisiert Merkel das ein wenig. "Je weiter der Prozess in Ägypten sich entwickelt dahin, dass auch die Stabilität gegeben ist, umso mehr deutsche Unternehmen werden sich auch in Ägypten engagieren", sagt sie.

Später, bei einem Termin bei der Körber-Stiftung, holte Mursi dann doch noch zu einem kleinen Gegenschlag aus: Er warf dem Westen vor, das undemokratische System in Ägypten viele Jahre unterstützt zu haben. Deshalb müsse es jetzt zu einem gleichberechtigten Dialog kommen. Es dürfe nicht sein, "dass eine Seite glaubt, sie könne sich über die andere erheben".