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Ungarn:Polizei schirmt Budapester Bahnhof ab

Hungarian police officers watch migrants outside the main Eastern Railway station in Budapest

Die ungarische Polizei überwacht Flüchtlinge, die außerhalb des Budapester Ostbahnhofs warten müssen.

(Foto: REUTERS)
  • Die ungarischen Behörden hindern Flüchtlinge am größten Budapester Bahnhof derzeit an der Weiterreise. Das Gebäude wurde sogar kurzzeitig geräumt.
  • Ungarn begründet den Schritt mit der Umsetzung von EU-Recht.
  • In München sind mehr als 2000 Menschen gestrandet.

Ungarische Polizei räumt wichtigsten Budapester Bahnhof

Angesichts des Flüchtlingsandrangs auf Züge in Richtung Österreich und Deutschland hat die ungarische Polizei den wichtigsten Bahnhof der Hauptstadt Budapest kurzzeitig geräumt. Hunderte Polizisten führten die Menschen nach draußen, berichten Nachrichtenagenturen. Inzwischen ist der Ostbahnhof wieder für den Zugverkehr freigegeben. Doch die Flüchtlinge dürfen nicht in das Gebäude. Hunderte demonstrierten für ihre Weiterreise. Sie schwenkten Fahrscheine, klatschten, buhten und skandierten "Deutschland, Deutschland!".

Ungarn verweist auf EU-Recht

Ungarn begründet die Schließung des Ostbahnhofs mit der Umsetzung von EU-Recht. Dieses verlange, dass jeder Bürger aus einem Drittstaat sich nur mit einem gültigen Pass und einem Schengen-Visum frei in der EU bewegen könne, sagte Regierungssprecher Zoltan Kovacs der Nachrichtenagentur Reuters.

Am Vortag hatte die ungarische Polizei überraschend die Kontrollen ausgesetzt und damit Tausenden Flüchtlingen ermöglicht, in Zügen Richtung Westen zu gelangen. In Wien trafen allein 3650 Flüchtlinge per Zug aus Ungarn ein. Dies sei ein neuer Tagesrekord in diesem Jahr, sagte der österreichische Polizeisprecher Patrick Maierhofer. Laut der deutschen Bundespolizei trafen auch in Deutschland in den vergangenen 24 bis 30 Stunden mehr als 2000 Flüchtlinge aus Ungarn ein - deutlich mehr als sonst.

Chaos am Münchner Hauptbahnhof

In München sind Hunderte Flüchtlinge gestrandet. Dies führte teils zu chaotischen Zuständen: Am Morgen sperrte die Polizei den Platz vor dem Starnberger Flügelbahnhof komplett ab. Dort saßen und warteten Hunderte Asylsuchende im Freien, unter ihnen viele Kinder. Manche von ihnen schliefen auf dem Boden.

Stadt München prüft "Notfallkapazitäten"

Eine Sprecherin der Regierung teilte weiter mit, dass die Stadt prüfe, ob sie in der Nähe des Hauptbahnhofs eine Halle zur Verfügung stellen könne. Auch überlege man, wie man "sämtliche weitere Notfallkapazitäten" nutzen könne - möglichst in der Nähe Münchens. Man hoffe, dass auch andere Bundesländer Flüchtlinge aufnehmen.

Vor dem Bahnhof bauten freiwillige Helfer einen Stand auf und gaben Essen und Getränke aus - auf eigene Kosten. Bereits in der Nacht hatten sich viele Münchner am Hauptbahnhof versammelt und die Flüchtlinge nicht nur mit Sprechchören begrüßt, sondern auch mit Essen und Getränken.

Bayern eröffnet Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge aus Balkan-Ländern

Seit diesem Dienstag sollen Flüchtlinge vom Balkan in einem speziellen Aufnahmezentrum untergebracht werden: Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) eröffnete die Einrichtung in einer ehemaligen Kaserne am Rande von Manching bei Ingolstadt. Die Flüchtlinge aus Südosteuropa haben - anders als Syrer - nur geringe Chancen auf ein Bleiberecht in Deutschland haben, die bayerische Staatsregierung will sie möglichst schnell wieder abschieben.

© SZ.de/kast/sim/tba/hai/fued

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