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Münchner CSU:Die Hoffnungsträgerin verliert ihren Zauber

Für Monika Hohlmeier war Bruder Max schon immer ihre größte politische Belastung. Immer wieder hat er Skandal-Schlagzeilen aller Art produziert, galt in der Münchner CSU als größter Rüpel, der herumläuft, aber nie hat Hohlmeier auch nur einen Hauch von Distanzierung erkennen lassen. Der Familienzusammenhalt im Hause Strauß steht über allem anderen und wird in einer Art Nibelungentreue auch auf das ganze Spezi-System übertragen. "Sie ist natürlich ein elementarer Bestandteil des Systems", sagt ein Mitglied des CSU-Bezirksvorstands über Hohlmeier und die alten Seilschaften. So ist zum Beispiel Curt Niklas einer ihrer engsten Berater. "Den hätte ich als ersten rausgehauen", schimpft einer der Kritiker.

Doch dafür sieht Monika Hohlmeier keinen Grund. Niklas sei einer von zehn Kreisvorsitzenden in München. "Ich spreche mit den Kreisvorsitzenden, also spreche ich auch mit Niklas", sagt sie kühl.

"Monika Hohlmeier kann den Münchner CSU-Verband nicht in Ordnung bringen", sagt Erich Riedl, "weil sie mit diesen Leuten engstens verfilzt ist." Hätte Hohlmeier vor ihrer Wahl öffentlich bekannt, wie eng ihre Bande zu der Gruppe von Haedke, Niklas und Co. seien , "wäre sie nie gewählt worden", glaubt Riedl. Auch andere in der Münchner CSU sehen die Vorsitzende mit ihrem Lavieren mittlerweile auf der Kippe. Bei einem passablen Gegenkandidaten "hätte sie keine Mehrheit", heißt es.

Schon kursiert die Version, notfalls müsse Finanzminister Kurt Faltlhauser in die Bresche springen, der sich aus allen Kabalen all die Jahre immer elegant herausgehalten hat. Dabei ist die Strauß-Tochter doch von Parteichef Edmund Stoiber eigens zu dem Münchner Himmelfahrtskommando verdonnert worden. Stoiber wird in seiner Staatskanzlei regelmäßig halb wahnsinnig über die Münchner Umtriebe.

Immer wieder hat er sich in die örtlichen Streitigkeiten eingemischt, lange hat er gezögert, überhaupt jemandem aus seinem Kabinett mit dem schwierigen Job zu betrauen. Wenn Hohlmeier in München scheitert, fällt das auch auf ihn zurück. "Dem Edmund stinkt das ganz gewaltig", sagt einer aus seiner Regierungsriege. Auch im Kabinett werden die Probleme Hohlmeiers aufmerksam registriert.

"Die hat sich bisher zu zögerlich verhalten", sagt ein Kabinettskollege. Und ein anderer Minister spricht davon, Hohlmeier sei nicht mit der notwendigen Härte vorgegangen. "Ihr Problem ist, dass sie nicht glasklar Korrektheit zum obersten Prinzip gemacht hat."

Ein Durcheinanderrütteln

Monika Hohlmeier spürt den Druck, der jetzt auf ihr lastet. Es gebe einen einstimmigen Vorstandsbeschluss, bis nach den Urteilen mit Konsequenzen zu warten, verteidigt sie ihren Kurs. Sie habe von Anfang an auf Aufklärung gedrängt. "Ich hätte das in der Öffentlichkeit härter zum Ausdruck bringen müssen", räumt sie ein. Für die Hoffnungsträgerin, der viele für die Zeit nach Stoiber einen Aufstieg ganz nach oben zutrauen, kommen die Probleme zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt.

Vieles deutet darauf hin, dass Stoiber bei einem Wahlsieg der Union im Jahr 2006 auf jeden Fall nach Berlin gehen wird, als was auch immer. Dann wird in München alles gehörig durcheinander gerüttelt. Aber wer seinen eigenen Laden nicht im Griff hat, hat dann schlechte Karten.

In einer Woche wird es im Münchner CSU-Vorstand zum Showdown kommen, dann wird man wissen, ob die CSU in München vielleicht doch zur Selbstreinigung fähig ist. "Eine Entschuldigung alleine reicht nicht aus", kündigt Hohlmeier in Richtung der Betroffenen an. Zwei, drei Jahre brauche sie schon zur Konsolidierung ihres Bezirks.

"Ich glaube, dass ich eine Chance habe, aber es ist eine gefahrengeneigte Arbeit", sagt sie. Und was glaubt die Partei? Kann sie es schaffen? "Natürlich nicht", sagt einer, der ihr eigentlich wohlgesonnen ist.