München Mehrjährige Haftstrafen für Mitglieder der rechtsextremen Oldschool Society

Die Angeklagten der Oldschool Society im April 2016 im Münchner Gerichtssaal.

(Foto: dpa)

Das Oberlandesgericht München hat vier Mitglieder der Organisation wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung verurteilt. Ihr Ziel seien Anschläge auf Flüchtlinge gewesen.

Das Oberlandesgericht München hat vier Mitglieder der rechtsextremen Oldschool Society zu Haftstrafen zwischen drei und fünf Jahren verurteilt. Nach elfmonatiger Beweisaufnahme sah es das Gericht als erwiesen an, dass die Angeklagten eine terroristische Vereinigung gebildet hatten.

Ihr Ziel sollen Anschläge auf Flüchtlinge gewesen sein. Das Strafmaß blieb etwas unter der Forderung der Bundesanwaltschaft - die Verteidiger hatten Freisprüche gefordert.

Die längsten Haftstrafen bekamen die beiden Rädelsführer der Gruppe. Markus W. wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, Anreas H. zu viereinhalb Jahren Haft. Die einzige angeklagte Frau, Denise G., erhielt eine Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten, der vierte Angeklagte Olaf O. drei Jahre Haft.

Zusammengefunden hatten sie sich über das Internet, wo sie sich austauschten. Die Gruppe traf sich nur einmal persönlich. Vor dem zweiten Treffen im Mai 2015 schlugen die Ermittler zu und nahmen die vier Angeklagten in einer bundesweiten Razzia fest. Gefunden wurden Gas- und Schreckschusswaffen, Schlagringe, Schwerter, außerdem illegale Feuerwerkskörper aus Tschechien und Nägel.

Das Einzigartige an diesem Fall ist: Die Ermittler haben monatelang jedes Wort ihrer Chats mitgelesen. Sie haben erlebt, wie der Hass gegen Ausländer in gegenseitiger Bekräftigung anschwoll.

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