Flugzeugpanne "Wir helfen uns jetzt selbst", sagt der Entwicklungsminister

Die Global 5000 muss am Boden bleiben. (Archivbild)

(Foto: dpa)

Erst ein kaputtes Ventil, dann Rauch aus dem Triebwerk: Weil das frisch reparierte Regierungsflugzeug schon wieder kaputt ist, muss Minister Gerd Müller Linie fliegen. Er fühlt sich vor Sambias Regierung blamiert.

Von Jana Anzlinger

Er fliegt! Nein, er fliegt nicht. Er fliegt zu spät. Er fliegt anders. Ungefähr so lässt sich eine Afrikareise zusammenfassen, die Entwicklungsminister Gerd Müller wahrscheinlich ganz schnell vergessen will, wenn er wieder in Berlin gelandet ist.

Denn Müllers Reise wurde zu einer legendären Pannenserie. Seine Tour durch mehrere Länder musste der CSU-Minister am Montag in Malawi unterbrechen, weil sein Flieger kaputt ist. Er reiste mit einer Linienmaschine der Malawian Airlines ins benachbarte Sambia weiter. Einen geplanten Besuch in Namibia musste er absagen, da es keinen Linienflug dorthin gab.

Regierungsmaschine

Die Politik und ihre Pannenflieger

Müller ist kein abgehobener Typ, er gilt als bodenständig. Was aus seinen Jahren im Amt bislang in Erinnerung geblieben ist, war hauptsächlich, dass er Gästen auch mal Mehlwürmer als Snack serviert. Dass der Minister laut wird, ist ungewöhnlich. Doch in Afrika beklagte er die "enorm negative Symbolwirkung für das High-Tech-Land Deutschland". Eine solche Panne "passiert in Sambia oder einem afrikanischen Land einem Regierungsmitglied so nicht", grummelte Müller.

Sambias Präsident Edgar Lungu dürfte das tatsächlich nicht passieren. Er steht seit Monaten für den Kauf eines Privatflugzeugs in der Kritik, das 400 Millionen US-Dollar gekostet haben soll.

Nun ist Müller zwar nicht Staats- oder Regierungschef und die kaputte Maschine nicht seine eigene. Doch auch der Airbus A340 "Konrad Adenauer" hat die Kanzlerin vor Kurzem im Stich gelassen. Auf dem Weg zum G20-Gipfel in Buenos Aires mussten Angela Merkel und Finanzminister Olaf Scholz umdrehen, weil ein defektes Teil zwei Funksysteme lahmlegte. Im Oktober war Scholz schon einmal zum Linienflug gezwungen gewesen. Nagetiere hatten in Indonesien Kabel angeknabbert.

Schuld an Müllers Blamage war nun offenbar ein kaputtes Ventil in der Bombardier Global 5000 der Bundesregierung. Ob Nagetiere oder vielleicht Mehlwürmer dahintersteckten, ist unbekannt.

Kein Rückflug ins High-Tech-Land

Eine aus Deutschland eingeflogene Mechanikercrew traf zwar am Mittwoch in Lilongwe ein, doch das nötige Ersatzteil hing einige Tage in Johannesburg fest und kam erst am Donnerstag an.

Einen Tag später sollte endlich der Rückflug ins High-Tech-Land stattfinden. Eigentlich. Der Minister und seine Delegation saßen in der reparierten Maschine, als plötzlich Rauch aus dem Triebwerk kam. Der Besatzung angezeigt wurde vom System allerdings, dass heiße Luft einströme. Ein neuer Defekt, der einen Weiterflug unmöglich machte.

Hilfe zur Selbsthilfe: Mit dieser Maxime werben deutsche Entwicklungsminister gern bei Afrikareisen. Am Freitag pries Müller in Sambia das Selbsthilfe-Konzept. Dieses Mal ging es aber nicht um ein Brunnenbohr- oder Gründungshilfe-Projekt für Bedürftige, sondern um die Probleme eines eher wohlhabenden Entwicklungslandes: "Wir helfen uns jetzt selbst und fliegen mit afrikanischen Linien zurück."

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