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Muammar al-Gaddafi:Der exzentrische Diktator

Er fällt durch extravagante Kleidung auf und brüskiert mit absurden Äußerungen. Trotz aller Macken und Eigenheiten ist Muammar al-Gaddafi seit mehr als 41 Jahren in Libyen an der Macht.

in Bildern.

24 Bilder

Libyan leader Muammar Gaddafi gestures as he addresses an Africa Union gathering in his hometown of Sirte

Quelle: REUTERS

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Der Westen mag über Muammar al-Gaddafis Eigenarten lachen, in der arabischen Welt war er lange Zeit einer der mächtigsten Männer. Seit mehr als 41 Jahren ist der Revolutionsführer schon an der Macht - dank eines brutalen Unterdrückungsapparats. Nun beginnt sein System von innen zu erodieren. Ein Porträt in Bildern.

Colonel Gaddafi

Quelle: Getty Images

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Gaddafis politischer Aufstieg begann im Jahr 1965 als er mit 22 Jahren den "Bund der freien Offiziere" mit gründete, um die Monarchie zu stürzen. Vier Jahre später wurde Gaddafi zum Hauptmann befördert, übernahm den Oberbefehl über die Streitkräfte und setzte König Idris I. in einem unblutigen Putsch ab. Zunächst stützte er sich bei seiner Herrschaft auf die Ideen seines großen Vorbilds, dem ehemaligen ägyptischen Präsidenten Gamal Abdul Nasser. Er verbot Alkohol, Prostitution und öffentliches Vergnügen.

Muammar al-Gaddafi

Quelle: ASSOCIATED PRESS

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Wenige Jahre später, 1973, schrieb er mit dem "Grünen Buch" seine eigene Staatstheorie nieder, die er als Mittelweg zwischen Kommunismus und Kapitalismus versteht.

File photo of Libyan leader Muammar Gaddafi waving to supporters as he gives a speech condemning the U.S. from a balcony at Bab al-Aziziya in Tripoli

Quelle: Reuters

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Ein Bild aus dem Jahr 1986: Gaddafi winkt vom Balkon einer seiner Wohnhäuser, das später im selben Jahr von Streitkräften der USA bombardiert werden sollte. Gaddafi überlebt, doch seine Adoptivtochter stirbt. Mit dem Luftschlag wollte die US-Regierung einen Bombenanschlag vergelten, den libysche Attentäter auf die von amerikanischen Soldaten frequentierte Diskothek "La Belle" in Berlin verübt hatten.

File photo of Tunisian President Zine Al-Abdine Ben Ali welcoming Libyan leader Muammar Gaddafi upon his arrival at Tunis airport

Quelle: Reuters

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Zu nordafrikanischen Führern suchte Gaddafi ein gutes diplomatisches Verhältnis - unter anderem zum ehemaligen tunesischen Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali. Gaddafi war es auch, der den Sturz des Präsidenten durch das Volk im Januar dieses Jahres heftig kritisierte.

EU-Kommissar spricht sich fuer Ruecktritt Gaddafis aus

Quelle: dapd

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Über die Macken des selbsternannten Revolutionsführers machen sich andere Staaten lustig, wie in den kürzlich veröffentlichten Wikileaks-Depeschen deutlich wird.

GADDAFI AT OPENING OF OAU SUMMIT IN LIBIYA

Quelle: REUTERS

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Demnach berichtet ein US-amerikanischer Botschafter, dass Gaddafi Angst habe, sich in einem Gebäude höher als im ersten Stock zu bewegen und dass er es hasse, über Wasser zu fliegen.

Libyan leader Muammar Gaddafi walks down the stairs of his private airplane followed by his bodyguards at the Ciampino airport in Rome

Quelle: REUTERS

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Schon fast legendär ist Gaddafis Leibgarde, die aus weiblichen Bodyguards besteht - hochgewachsene Libyerinnen in Tarnanzügen.

Gerhard Schröder, Muammar al-Gaddafi, 2004

Quelle: dpa/dpaweb

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Im Garten vor seinem Haus steht Gaddafis Beduinenzelt, das er gerne mit auf Reisen nimmt, um seine tiefe kulturelle Verwurzelung auszudrücken. Sonst empfängt er darin Staatsgäste, wie hier 2004 Gerhard Schröder. Es ist das erste Mal, dass ein deutscher Kanzler in Libyen zu Gast ist.

Gaddafi ruft zum Dschihad gegen Schweiz auf

Quelle: dpa

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Bekannt ist Gaddafi auch für provokante Äußerungen: Im Februar 2010 ruft er wegen des Minarettverbots in der Schweiz zum Heiligen Krieg gegen das Land auf. Der libysche Staatschef drohte, dass jeder Muslim, der mit der Schweiz verkehre, ein Ungläubiger sei.

Sarkozy in Tripolis

Quelle: dpa

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Im Jahr 2007 geriet Gaddafi in die Kritik, weil in Libyen fünf bulgarische Krankenschwestern und ein palästinensischer Arzt verhaftet und zum Tode verurteilt worden waren. Sie hatten angeblich mehr als 400 Kinder in einem Krankenhaus in Bengasi vorsätzlich mit HIV infiziert. Später räumte Gaddafis Sohn Saif al-Islam ein, dass man die Beschuldigten unter Folter zu einem Geständnis gezwungen habe. Das Bild zeigt den französischen Staatspräsidenten Sarkozy bei seinem Besuch kurz nach der Freiassung der Gefangenen.

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Quelle: AFP

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Mit Italien kommt es 2006 zu einem Streit über Reparationen für die einstige Besetzung Libyens. Den Konflikt legt Berlusconi zwei Jahre später mit einer Entschädigungszahlung von 3,4 Milliarden Euro und einer Entschuldigung bei. Die beiden Machthaber haben ein enges Verhältnis zueinander, was aber vor allem an Italiens Energieabhängigkeit zu Libyen liegt. Fast ein Viertel des in Italien verbrauchten Erdöls stammt aus den Wüsten Libyens.

G8-Gipfel in L'Aquila - al-Gaddafi und Obama

Quelle: dpa

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Zwischen Libyen und den USA hat es lange gekriselt - nicht zuletzt wegen Gaddafis unberechenbarem Verhalten. Doch im Jahr 2004 hoben die USA das Handels- und Reiseembargo gegen den nordafrikanischen Staat auf. 2006 entfernte Obamas Vorgänger George W. Bush Libyen auch von der Liste der "Schurkenstaaten". Auf dem G-8-Gipfel in L'Aquila 2009 schüttelten sich Obama und Gaddafi die Hand. Inzwischen hat sich Obama zu den blutigen Protesten in Libyen geäußert und das Vorgehen des Gaddafi-Regimes gegen die Demonstranten scharf kritisiert.

Libyan leader Gaddafi pretends to rip a charter as he addresses the 64th United Nations General Assembly at the U.N. headquarters in New York

Quelle: REUTERS

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Im Jahr 2009 sorgt Gaddafi vor der UN-Vollversammlung für einen Eklat: Er bezeichnet den Sicherheitsrat als "Terrorrat" und zerreißt einige Seiten der Charta der Vereinten Nationen. Gaddafi kritisiert, dass die fünf Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat das alleinige Sagen hätten. Dies widerspreche dem Prinzip der Gleichberechtigung.

Hamas supporters hold posters depicting a crossed-out portrait of Libyan leader Muammar Gaddafi during a rally in Gaza City against the Libyan leader

Quelle: REUTERS

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Mitte Februar erreicht die Protestwelle, die den Nahen Osten und Nordafrika erfasst hat und schon die autoritären Regime in Tunesien und Ägypten zu Fall brachte, das Reich Gaddafis. Der selbsternannte Revolutionsführer könnte Opfer der Revolution werden. Doch anders als Ben Ali in Tunesien und Mubarak in Ägypten geht Gaddafi mit massiver Gewalt gegen die Demonstranten vor.

Gaddafi in Libyen

Quelle: dpa

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In der Nacht auf Dienstag, den 22. Februar, dann ein bizarrer Kurzauftritt: Der Revolutionsführer sitzt mit einem Regenschirm im Auto und beteuert in einem 22-Sekunden-Statement, er sei noch in Tripolis und nicht wie behauptet im Exil in Venezuela.

Video grab of Libya's leader Muammar Gaddafi speaking on national television from Tripoli

Quelle: Reuters

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Einen Tag später bezeichnet Gaddafi in einer Fernsehansprache die Regimegegner als "Ratten" und "Kakerlaken" und kündigt an, dass er in Libyen als Märtyrer sterben werde.

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Quelle: Getty Images

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Die ganze Welt weiß, dass in Tripolis Demonstrationen gegen Gaddafi stattfinden, doch der Diktator leugnet das in einem Interview mit Christiane Amanpour vom US-Sender ABC. "Mein ganzes Volk liebt mich. Sie würden sterben, um mich zu beschützen", behauptet Gaddafi.

Libyan leader Muammar Gaddafi waves in Tripoli before making a speech

Quelle: REUTERS

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Hinter den Unruhen steckt die Terrororganisation al-Qaida, behauptet Gaddafi am 2. März. An diesem Tag finden die ersten Angriffe der libyschen Luftwaffe gegen die Aufständischen statt.

Frame grab of Libyan leader Muammar Gaddafi talking to members of the Zentan tribe in Tripoli

Quelle: Reuters

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In einer Rede vor Angehörigen des Zentan-Stammes erklärt Gaddafi in Tripolis am 8. März, fremde Gruppen würden das Land unterwandern. Er fordert seine Anhänger in Bengasi auf, die Aufständischen aus der Rebellen-Hochburg im Osten Libyens zu jagen.

Gaddafi beschimpft Rebellen und westliche Staaten

Quelle: dpa

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Einen Tag später bezichtigt Gaddafi im Staatsfernsehen die Aufständischen des Verrats. Die USA, Frankreich und Großbritannien hätten sich gegen Libyen verschworen mit dem Ziel, Libyens Öl-Felder unter ihre Kontrolle zu bringen, behauptete der libysche Machthaber.

Libya's leader Gaddafi speaks during an interview with TRT Turkish television in Tripoli

Quelle: REUTERS

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Am 8. März gibt Gaddafi dem türkischen Sender TRT ein Interview, in dem er die westlichen Staaten dafür kritisiert, dass sie von ihm abgerückt sind, obwohl man bislang gemeinsam gegen das Terrornetzwerk al-Qaida gekämpft habe. "Wenn al-Qaida nicht länger ein gemeinsamer Feind ist, dann werden wir morgen Osama bin Laden treffen und eine Vereinbarung mit ihm treffen. Er wird unser Freund werden (...)", erklärt der Diktator.

Video grab of Libya's leader Muammar Gaddafi appearing in a live broadcast on state television in Tripoli

Quelle: REUTERS

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Bengasi werde bald von "bewaffneten Banden" gesäubert, kündigt Gaddafi am 15. März im libanesischen Fernsehsender LBC TV an. Eine Schlacht erwartet er nicht, da das libysche Volk bereits Al-Qaida-Elemente aus der Stadt vertrieben habe. Am selben Tag lobt er Deutschland für die Zurückhaltung in der Frage einer Flugverbotszone.

Frame grab of Muammar Gaddafi speaking during an interview with Portugal TV in Tripoli

Quelle: Reuters

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Am 17. März führt Gaddafi ein Interview mit einem portugiesischen Fernsehsender. An diesem Tag kündigt er die "entscheidende Schlacht" um die von den Rebellen gehaltene Stadt Misrata an. "Ab heute Abend werdet ihr an den Waffen trainiert, und morgen werdet ihr an der Schlacht teilnehmen", erklärte Gaddafi seinen jüngeren Anhängern. Bald darauf beschließt der UN-Sicherheitsrat, ein militärisches Eingreifen internationaler Truppen sei notwendig, um die Zivilbevölkerung in Libyen zu schützen. Es dürfen "alle notwendigen Maßnahmen" ergriffen werden. Was das bedeutet, ist umstritten. Um eine Flugverbotszone durchzusetzen, greift eine westliche Allianz um die USA, Frankreich und Großbritannien die libysche Armee mit Flugzeugen und Raketen an. Deutschland, Russland und China hatten sich bei der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat enthalten.

© sueddeutsche.de/fiem
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