Jürgen Mossack:"Der Deutsche" vor Gericht

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Abgang Jürgen Mossack: Den Geldwäsche-Prozess in Panama-Stadt empfindet der Deutsche, Gründer der Kanzlei Mossack Fonseca, als "große Ungerechtigkeit". Das Urteil wird in den nächsten Tagen erwartet. (Foto: Agustin Herrera/AP)

Bis zu den Panama Papers schrieb Jürgen Mossack die Geschichte eines märchenhaften Aufstiegs, seine Kanzlei Mossack Fonseca erledigte die diskreten Finanzgeschäfte für Autokraten und Kriminelle. Nun steht er vor den Trümmern seines Lebenswerks - und vor Gericht.

Von Mauritius Much

Am Ende bekommt Jürgen Mossack, 76, noch einmal das Wort. Der Rechtsanwalt steht im Justizpalast Gil Ponce in Panama-Stadt vor Gericht, gemeinsam mit 28 weiteren Angeklagten muss er sich dort wegen Geldwäsche verantworten. Es geht um die Enthüllungen, die Mossacks Kanzlei Mossack Fonseca schlagartig auf der ganzen Welt bekannt gemacht hatten: die Panama Papers. Sie legten ab dem 3. April 2016 offen, wie Prominente, Politiker, Autokraten und Kriminelle Briefkastenfirmen nutzten, um Geldflüsse oder sonstige Geschäfte zu verschleiern. Und die Kanzlei Mossack Fonseca war der Baumeister dieser Offshore-Vehikel.

Es ist halb acht Uhr abends an diesem 19. April 2024 in Panama-Stadt, als Jürgen Mossack im dunklen Anzug ans Rednerpult im Gerichtssaal tritt, mit schlohweißen Haaren und fahlem Gesicht. So sieht man ihn in dem Videostream, den die panamaische Justiz eingerichtet hat. Jede Sekunde des Prozesses ist dort zu verfolgen, insgesamt 85 Stunden an zehn Verhandlungstagen. Die vergangenen acht Jahre und der Prozess jetzt, sagt Mossack, seien "wirklich eine große Ungerechtigkeit".

So muss es ihm wohl vorkommen, Jürgen Mossack, der bis zu den Panama Papers die Geschichte eines märchenhaften Aufstiegs geschrieben hatte. Mossack wurde 1948 im mittelfränkischen Fürth geboren, seine Eltern wanderten mit ihm Anfang der 1960er-Jahre nach Panama aus. Die Mutter war Verkäuferin, der Vater Maschinenbauer - und einst Rottenführer in einem SS-Regiment. In den 1970er-Jahren kehrte ein Großteil der Familie nach Deutschland zurück, Jürgen Mossack aber blieb in Panama und wurde Anwalt. 1977 gründete er eine erste Kanzlei, im Frühjahr 1986 schloss er sich mit Ramón Fonseca Mora zusammen.

Diskret, durchsetzungsstark, aufbrausend

In Panama hieß Jürgen Mossack bald nur noch "der Deutsche". Das Geschäft mit den Briefkastenfirmen verhalf dem Einwanderer zu Helikopter und Yacht, er zog in ein nobles Viertel von Panama-Stadt, fand Eingang bei den Rotariern und Zugang zur Regierung, als Mitglied im "nationalen Rat für Außenbeziehungen". Anders als sein Kanzleipartner Fonseca, der auch als Politiker und Schriftsteller in Erscheinung trat, hielt sich Mossack im Hintergrund. Er spreche nicht viel, erzählte einer, der ihn kennt, 2016 der SZ, dafür treffe er schnelle Entscheidungen. Mossack sei direkt, durchsetzungsstark, manchmal aufbrausend. Es könne unangenehm werden, wenn man ihn nicht auf seiner Seite habe.

Die Panama Papers änderten alles. Das Geschäftsmodell, Geld unsichtbar zu machen, das Versprechen der totalen Diskretion, war durch die Enthüllung obsolet geworden. Erst sprangen die Kunden ab, dann musste die Kanzlei Angestellte entlassen, Niederlassungen schließen. Im Frühjahr 2018 gab die Kanzlei ihre Geschäftstätigkeit schließlich auf.

Zwischenzeitlich ließ die Staatsanwaltschaft in Panama Jürgen Mossack festnehmen, setzte ihn dann aber wieder frei. Im Jahr 2020 wurde in Deutschland ein internationaler Haftbefehl gegen ihn ausgestellt, er ist laut SZ-Informationen weiter in Kraft. Ein Ermittlungsverfahren ist hingegen vorläufig eingestellt, weil Mossack inzwischen panamaischer Staatsbürger ist, sich in Panama aufhält - und das Land keinen Staatsbürger ausliefert.

2022 stand Jürgen Mossack schon einmal wegen Geldwäsche in Panama vor Gericht und wurde von derselben Richterin freigesprochen, die auch den aktuellen Prozess leitet. In einigen Tagen dürfte das Urteil verkündet werden, zu spät für Ramón Fonseca, der vergangene Woche gestorben ist. "Abgesehen davon, dass Ramón Fonseca 40 Jahre lang mein Partner und Freund war", sagte Jürgen Mossack der Nachrichtenagentur AP, "war er ein vorbildlicher Bürger, der leider den Freispruch, der am Ende unseres Prozesses fällig ist, nicht erleben durfte."

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