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Mosche Kachlon bei der Israel-Wahl:Der Königsmacher

Populär auch dank billigerer Telefontarife: Mosche Kachlon

(Foto: AFP)

Mosche Kachlon wurde schon mal als Netanjahus Kronprinz gehandelt. Doch dann überwarf er sich mit dem israelischen Premier. Als Chef der neu gegründeten Partei Kulanu wird er nun von allen Seiten umworben.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Alle lieben ihn, alle loben ihn. Wenn es um Mosche Kachlon geht, dann wirkt Israels Politik, die ansonsten nach den Gesetzen der Wildnis funktioniert, plötzlich wie ein Streichelzoo. Premierminister Benjamin Netanjahu hat dem Rivalen gerade in aller Freundschaft das Finanzministerium angeboten, der Herausforderer Isaac Herzog lobt ihn bei jeder Gelegenheit über den grünen Klee.

Kachlon hört sich das alles gerne an, er sei "geschmeichelt", lässt er wissen. Aber natürlich weiß er auch, was solches Werben wert ist im Wahlkampf, und deshalb hat er freundlich lächelnd bislang noch jeden abfahren lassen. Denn Finanzminister kann er später immer noch werden. Erst einmal genießt er nun die Rolle des Königmachers.

Wenn an diesem Dienstag um 22 Uhr Ortszeit in Israel die Wahllokale schließen, dann wird bei der Regierungsbildung wohl kein Weg an ihm vorbeiführen. Denn zwischen dem rechten Lager von Netanjahu und dem Mitte-links-Bündnis von Herzog hat er seine frisch zur Wahl gegründete Partei Kulanu (Wir alle) platziert.

Sie kämpft für soziale Gerechtigkeit, und das wollen natürlich alle. Vor allem aber wollen alle die acht bis zehn Mandate, die Kachlons Partei mindestens zugetraut werden. Denn allen Umfragen und Rechenspielen zufolge brauchen beide Lager diese Stimmen zum Regieren.

Nach einem kräftezehrenden Wahlkampf, in dem Kachlon zu Beginn sogar noch wesentlich mehr Sitze verheißen worden waren, ist das eine komfortable Position für den 54-Jährigen, der sein bisheriges politisches Leben im konservativen Likud verbracht hat. Hier hat er sich nach oben gekämpft als Sohn libyscher Einwanderer, aufgewachsen ist er in der Küstenstadt Hadera in einfachen Verhältnissen. Nach dem Studium von Politik und Jura zog Kachlon 2003 erstmals in die Knesset ein.

Zum Höhenflug setzte er dann auf dem wenig schillernden Posten des Kommunikationsministers an, wo er den Mobilfunkmarkt für den Wettbewerb öffnete und das Telefonieren verbilligte. Damit kann man in Israel zum Volkshelden avancieren, in früheren Zeiten hätte er dafür wohl die Brotpreise senken müssen.

Im Likud wurde Kachlon schon als Netanjahus Kronprinz gehandelt - bis er sich 2012 mit einem Paukenschlag aus der Politik zurückzog. Der Vater dreier Kinder gab dafür "private Gründe" an, aber ein Zerwürfnis mit Netanjahu war unübersehbar.

Mit seiner Kulanu-Partei setzt er nun dem Likud zu und zieht einen Teil der klassischen Wählerschaft zu sich. Er verspricht, den Erfolg mit den billigen Telefontarifen nun großflächig zu wiederholen und die drückend hohen Lebenshaltungskosten durch das Aufbrechen der verkrusteten Wirtschaftsstrukturen zu senken.

Keinem anderen trauen die Israelis dabei so viel Kompetenz zu wie Kachlon. Ein Platz am Kabinettstisch scheint ihm sicher zu sein. Er muss sich jetzt nur noch schnell überlegen, wen er zum Premierminister machen will.

© SZ vom 17.03.2015/gal
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