Süddeutsche Zeitung

Mosambik:Zäh verhandelter Friede

Mosambiks Regierung und die größte Oppositionspartei haben ein Abkommen unterzeichnet. Nach Jahren der Gewalt könnte das Land nun endlich seine vielen Probleme angehen.

Die Regierung von Mosambik und die Oppositionspartei Renamo haben Frieden geschlossen. Am Dienstag unterzeichneten Präsident Filipe Nyusi und der Vorsitzende der Renamo, Ossufo Momade, ein Friedensabkommen in der Hauptstadt Maputo. Beide gaben damit eine Zusage zum Ende der jahrelang andauernden Gewalt. Das Abkommen soll zudem die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Oktober erleichtern. Die Oppositionspartei Renamo und die Regierungspartei Frelimo, die seit der Unabhängigkeit von Portugal die politische und wirtschaftliche Elite stellt, einigten sich nun auf Stabilität und permanente Waffenruhe.

Die Vereinbarung ist das Ergebnis langer Verhandlungen. Der Bürgerkrieg nach der Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Portugal stürzte das Land bis in die Neunzigerjahre in eine innenpolitische Krise. 1992 vermittelte die katholischen Laiengemeinde Sant'Egidio aus Rom mit finanzieller Unterstützung der italienischen Regierung einen Frieden, der rund zwei Jahrzehnte hielt. Bei allen Wahlen seit Kriegsende gewannen die Kandidaten der ehemaligen Befreiungsbewegung Frelimo. Immer wieder war deshalb in den vergangenen Jahren die Gewalt erneut eskaliert, besonders im Vorfeld von Wahlen, bis 2016 eine fragile Waffenruhe ausgehandelt wurde.

Zu den Hoffnungen des armen Landes gehört, nun ein riesiges Gasfeld entwickeln zu können

Der Friedensschluss zwischen Frelimo und der früheren Guerillagruppe und jetzigen Oppositionspartei sieht nun vor, dass die bewaffneten Kämpfer der Renamo - die Rede ist von rund 5000 - in die Streitkräfte des Landes integriert werden sollen. Bis im Oktober gewählt wird, ist dieser Prozess wohl noch nicht abgeschlossen.

Trotzdem setzen sowohl Präsident Nyusi als auch Oppositionsführer Momade große Hoffnungen in das Abkommen: Ein dauerhafter Frieden und die Entwaffnung der Renamo-Rebellen wird als entscheidend für die Entwicklung der riesigen Offshore-Gasfelder des Landes angesehen, die zu Beginn des Jahrzehnts entdeckt wurden. Trotz des Ressourcenreichtums ist Mosambik bis heute eines der ärmsten Länder. Von Direktinvestitionen aus dem Ausland kam bei der breiten Bevölkerung in der Vergangenheit wenig an, weil sich eine kleine Elite bereicherte. Zudem stoppten 2016 eine Reihe von Staaten, darunter Deutschland, ihre Hilfszahlungen an Maputo. Damalige Regierungsbeamte hatten rechtswidrige Garantien für geheime Kredite an mosambikanische Firmen genehmigt.

Präsident Nyusi versucht seit Jahren, die Förderung der Gasvorkommen voranzutreiben. Die grassierende Korruption lähmt das Land allerdings. Zudem stellen aufständische Islamisten im Norden die Regierung vor ein enormes Sicherheitsproblem, mit dem sie offenbar überfordert ist. Terroristen verüben dort immer wieder Anschläge. Hinzu kommen soziale Probleme wie eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und ein schlechtes Bildungssystem. Das Land ist aufgrund seiner breiten Küste zudem besonders von Naturkatastrophen bedroht: Im April hatte der Zyklon Idai große Regionen überschwemmt; 2018 machte eine Dürre den Bauern zu schaffen.

Das Friedensabkommen zwischen den ehemaligen Bürgerkriegsparteien wird deshalb auch im Ausland begrüßt. Bundesaußenminister Heiko Maas würdigte die Unterzeichnung als wichtigen Schritt. "Nun geht es darum, den Friedensvertrag auch umzusetzen", sagte er.

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SZ vom 08.08.2019
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