Terrorismus:Mosambik bekommt Hilfe im Kampf gegen die al-Shabab

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Seit die Terrororganisation al-Shabab vor vier Jahren mit ihren Angriffen begann, mussten fast eine Million Menschen aus ihrer Heimat in der nördlichen Provinz Cabo Delgado fliehen. (Foto: John Wessels/AFP)

Einsatzkräfte aus Südafrika und Ruanda sollen im Kampf gegen die islamistische Terrororganisation helfen.

Von Bernd Dörries, Kapstadt

Es gingt dann alles ziemlich schnell vor zwei Wochen. An einem Freitag kündigte die Regierung Ruandas an, Truppen in den Norden Mosambiks zu entsenden, einen Tag später waren sie schon da. Die etwa 1000 Soldaten und Polizisten sollen Mosambik dabei helfen, die Terroristen von al-Shabab zu bekämpfen, einer Gruppe mit etwa 3000 Kämpfern, die sich dem s genannten Islamischen Staat angeschlossen haben will.

Die US-Regierung sieht al-Shabab als eine globale Terrororganisation. Seit die Gruppe vor vier Jahren mit ihren Angriffen begann, kamen etwa 3000 Menschen ums Leben, fast eine Million musste aus ihrer Heimat in der nördlichen Provinz Cabo Delgado fliehen. Die Regierung hatte lange versucht, den Konflikt mit Hilfe von russischen und südafrikanischen Söldnern unter Kontrolle zu bekommen.

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Im März überrannten die Kämpfer von al-Shabab die Hafenstadt Palma und massakrierten Dutzende Einwohner, darunter auch Mitarbeiter eines riesigen Gasprojekts des französischen Total-Konzerns. Nachbarstaaten wie Tansania, Malawi und Südafrika hatten die Regierung von Mosambik schon lange gedrängt, eine Eingreiftruppe der Staatengemeinschaft des südlichen Afrika (SADC) zu akzeptieren.

Die Bevölkerung profitiert kaum vom Rohstoff-Boom

Nach der Attacke auf Palma stimmte Staatspräsident Filipe Nyusi schließlich zu, bis zu 3000 Soldaten einer SADC-Mission zu entsenden. Nun waren es aber die Truppen aus Ruanda, das kein Mitglied der Organisation ist, die zuerst landeten, erst am Montag kam ein kleines Vorabkommando aus Südafrika. Ob und wann die SADC-Truppe ihre geplante Stärke erreichen wird, ist unklar.

Bürgerrechtsgruppen in Mosambik vermuten, dass Staatspräsident Nyusi keine allzu große internationale Eingreiftruppe im Land haben will, da sie den Drogenhandel im Norden stören könnte, an dem auch Mitglieder seiner Partei beteiligt sein sollen. Auch al-Shabab wird vorgeworfen, am Schmuggel von Drogen und anderen Rohstoffen beteiligt zu sein. Den Ursprung der Gruppe sehen viele Experten in der Vernachlässigung der Region Cabo Delgado durch die Zentralregierung. Die Armut ist groß, die Jugend hat kaum Perspektiven.

In den vergangenen Jahren begannen vor allem internationale Konzerne damit, die Rohstoffe der Region auszubeuten, erst Gold und Rubine, dann die Investition von 20 Milliarden Dollar in eine Anlage zur Gasverflüssigung, die größte Einzelinvestition auf dem Kontinent. Die lokale Bevölkerung profitierte bisher so gut wie nicht vom Boom, fühlt sich an den Rand gedrängt. Der Zulauf zu al-Shabab soll zunehmen.

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Es ist unklar, wer die Truppen aus Ruanda finanziert

Fast alle Initiativen, den Terror zu bekämpfen sind bisher militärischer Natur. Die EU schickt Militärausbilder, etwa 100 Portugiesen sollen schon im Land sein, weitere Nationen folgen. Unklar ist bisher, wer eigentlich die Truppen aus Ruanda finanziert. "Ich glaube, dass Frankreich und Total eine große Rolle spielen werden", sagte die Mosambik-Expertin Jasmine Opperman dem südafrikanischen Dienst Defenceweb.

Total hatte seine Angestellten nach der Attacke auf Palma in Sicherheit gebracht und will die Arbeiten an der Gasanlage erst wieder aufnehmen, wenn um die Baustelle ein Sicherheitspuffer geschaffen wird. Auch der US-Konzern Exxon macht seine weiteren Investitionen von der Sicherheitslage abhängig. Die USA haben bereits im Frühjahr eine Gruppe von Beratern entsandt, die die Armee Mosambiks trainiert.

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