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Griechenland:Papst fordert nach Feuer in Moria "menschenwürdige Aufnahme"

Angelus-Mittagsgebet im Vatikan

Angelus-Mittagsgebet im Vatikan 06.09.2020, Vatikan, Papst Franziskus fordert nach dem Großbrand im Flüchtlingslager Moria Europa zum Handeln auf.

(Foto: dpa)

Tausende Menschen, die zuvor in ohnehin prekären Verhältnissen gelebt hätten, seien ohne Zuflucht zurückgelassen worden. Noch immer harren nach den Bränden viele Geflüchtete auf den Straßen aus.

Papst Franziskus hat Europa nach dem Großbrand im Flüchtlingslager Moria zum Handeln aufgerufen. Der 83-Jährige erinnerte am Sonntag in Rom an seinen Besuch auf der griechischen Insel Lesbos 2016 und seinen damaligen Appell für eine "menschenwürdige Aufnahme der Frauen und Männer, der Migranten und Flüchtlinge, derjenigen, die Asyl in Europa suchen".

Die Erinnerung daran seien immer noch lebendig. Das Feuer habe Tausende Menschen, die ohnehin schon in prekären Verhältnissen gelebt hätten, ohne Zuflucht zurückgelassen. Den Opfern wolle er seine "Solidarität und Nähe" ausdrücken.

Etwa 300 Migranten sind unterdessen in ein neues Zeltlager eingezogen. Bei den meisten handelt es sich um Familien, wie der staatliche griechische Rundfunk ERT am Sonntag berichtete.

Vor ihrer Aufnahme ins neue Lager mussten alle einen Coronavirus-Schnelltest machen. Dabei sei bei sieben Flüchtlingen das Virus entdeckt worden, berichtete der Sender unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Alle sieben seien zur Isolation in einen abgelegenen Teil des Zeltlagers von Kara Tepe gebracht worden.

Vor dem Brand am Mittwoch waren bereits 35 Migranten positiv auf das Coronavirus getestet worden, im anschließenden Chaos konnten sie aber nicht mehr ausfindig gemacht werden. Die Insel-Onlinezeitung Sto Nisi berichtete, am Samstag sei ein 20 Tage altes Baby einer Migranten-Familie aus Afghanistan mit starken Symptomen im Inselkrankenhaus positiv auf Corona getestet und mit seiner Mutter nach Athen in ein Krankenhaus gebracht worden.

Die Lage auf der Insel war auch am Sonntag höchst angespannt. Mehrere Tausende Migranten harren auf den Straßen aus. Es könnte Wochen dauern, bis nach dem Brand am vergangenen Mittwoch alle Menschen wieder ein Dach über dem Kopf bekommen. Der griechischen Regierung zufolge sollen die Flüchtlinge "in den kommenden Tagen" in eine neue Zeltstadt ziehen. Es werde mehrere Tage dauern, bis alle in die von der Armee errichteten Unterkünfte gezogen seien, sagte Migrationsminister Notis Mitarakis dem Sender Open TV. "Im Moment geschieht es auf freiwilliger Basis im Anfangsstadium", sagte er.

Inmitten der Auseinandersetzungen: Familien mit Kindern und alte Menschen

Im Laufe des Samstags kam es auch immer wieder zu spontanen Demonstrationen von Geflüchteten - und in der Folge auch zu Zusammenstößen mit der Polizei. Einige Migranten warfen mit Steinen, die Polizei setzte Tränengas ein, wie Bilder im griechischen Fernsehen zeigten. Auch seien von den ehemaligen Lagerbewohnern entlang der Straße immer wieder Feuer entzündet worden, berichtete die griechische Nachrichtenagentur ANA-MPA. Inmitten der Auseinandersetzungen und ohne eine Chance, ausweichen zu können: Kinder, Familien mit Kleinkindern und alte Menschen.

Die Zusammenstöße spielen sich entlang jenes Straßenabschnitts ab, auf dem viele Migranten nach dem Brand gestrandet sind und der nun in beide Richtungen von der Polizei abgesperrt wurde. Die Beamten versuchen, die Menschen daran zu hindern, in die Inselhauptstadt Mytilini zu gelangen.

Das Flüchtlingslager Moria war nach Unruhen und Brandstiftungen am Mittwoch fast völlig abgebrannt. Über Nacht wurden etwa 12 000 Menschen obdachlos. Insgesamt zehn europäische Staaten haben sich zur Aufnahme von insgesamt 400 unbegleiteten Minderjährigen bereiterklärt. Davon wollen Deutschland und Frankreich jeweils 100 bis 150 übernehmen.

© SZ/dpa/AP/mpu/lot/bix
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