bedeckt München 15°

Griechenland:Feuerwehr löscht neue Brände in Flüchtlingslager Moria

Die kleineren Feuer erfassen Teile des Camps, die zuvor verschont blieben. Erste Minderjährige werden auf das Festland gebracht. In Deutschland demonstrieren Tausende für die Aufnahme von Flüchtlingen.

Die ersten Maßnahmen zur Unterbringung von Menschen nach dem Großbrand im Migrantenlager von Moria sind angelaufen. 165 unbegleitete Minderjährige wurden an Bord eines Flugzeugs von Lesbos zur griechischen Hafenstadt Thessaloniki gebracht. Weitere 240 Minderjährige sollten noch am Donnerstag folgen, berichtete der staatliche Rundfunk ERT.

Die Feuerwehr konnte in der Nacht zum Donnerstag mehrere kleinere neue Brände löschen. Die Feuer hätten übriggebliebene unbeschädigte Zelte und andere provisorische Unterkünfte von Moria zerstört, berichtete das Staatsfernsehen. Viele von denjenigen, die noch dort ausgeharrt hatten, flüchteten mit ihren Habseligkeiten.

Tausende Menschen verbrachten die erste Nacht nach dem Großbrand auf den Straßen rund um das Lager Moria. Die Polizei stoppte unter Einsatz von Tränengas einige jugendliche Migranten, die versuchten, in den Hauptort der Insel zu kommen, wie das Staatsfernsehen berichtete. Zuvor hatten einige Migranten die Polizei mit Steinen angegriffen. Die Polizei erklärte, einige Menschen hätten auf Feldern Feuer angezündet.

In Deutschland haben nach der Zerstörung des griechischen Flüchtlingslagers mehrere Tausend Menschen bei Demonstrationen gefordert, Migranten von dort und von anderen Inseln der Ägäis in der EU und in Deutschland aufzunehmen. In Berlin beteiligten sich am Mittwochabend laut Polizei etwa 3000 Menschen, in Leipzig 1800, in Hamburg mehr als 1200 und in Frankfurt am Main 300.

Die Demonstranten verlangten die sofortige Evakuierung aller Lager auf den griechischen Inseln und die Aufnahme der Menschen. Einzelne Staaten müssten dabei vorangehen, da eine europäische Lösung nicht in Sicht sei, erklärte die Organisation "Seebrücke".

Auch die Internationale Liga für Menschenrechte hatte zu den Kundgebungen unter dem Motto "Wir haben Platz!" aufgerufen. Die Demonstranten zeigten Plakate mit Aufschriften wie "Moria evakuieren" und "Shame on you EU" ("Schande über dich, EU"). Eine Evakuierung des Lagers sei wegen der dort herrschenden unhaltbaren hygienischen Zustände schon vor dem Feuer nötig gewesen, sagten Redner.

Österreich und Niederlande lehnen Aufnahme von Flüchtlingen ab

Österreich spricht sich weiter strikt gegen eine Aufnahme von Migranten aus dem durch ein Feuer stark zerstörten Lager in Moria aus. "Wir müssen sehr vorsichtig sein, dass wir hier nicht Signale ausschicken, die dann eine Kettenreaktion auslösen, der wir vielleicht nicht mehr Herr werden", sagte Außenminister Alexander Schallenberg am Mittwochabend in der ORF-Nachrichtensendung "ZiB2".

Die Niederlande haben ebenfalls mitgeteilt, keine Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen. "Die Niederlande haben immer den Standpunkt vertreten, dass wir keine Menschen übernehmen", sagte die Staatssekretärin im Justizministerium, Ankie Broekers-Knol, dem TV-Sender RTL Nieuws. Den Haag hatte Griechenland zuvor humanitäre Hilfe zugesagt, "aber Flüchtlinge zu übernehmen, wie Deutschland das tun will, da ist die Antwort: nein".

Der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hatte nach dem Großbrand in Moria gefordert, in Deutschland 2000 Migranten von dort aufzunehmen. Deutschland solle mit einem entsprechenden "Zeichen der Humanität" vorangehen, sagte der CSU-Politiker am Mittwochabend in der ARD.

© SZ/dpa/AP/fie/saul/jobr
Fire breaks out at Greece's overcrowded Moria refugee camp

SZ PlusBrand in Moria
:Inferno nach Ansage

Im Camp Moria auf der griechischen Insel Lesbos schwelten schon lange Frust, Wut und Proteste. Nun haben offenbar absichtlich gelegte Feuer Europas größtes Flüchtlingslager zerstört - und die Not verschärft. Was folgt daraus?

Von Tobias Zick

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite