Prozess in Itzehoe:96-jährige frühere KZ-Sekretärin nach Flucht gefasst

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Prozess gegen frühere KZ-Sekretärin

Juristen warten in Itzehoe vergeblich auf das Erscheinen der Angeklagten Irmgard F.

(Foto: Markus Schreiber/dpa)

Irmgard F. ist wegen Beihilfe zum Mord in 11 000 Fällen angeklagt. Doch sie erschien nicht zum ersten Prozesstag, sondern versuchte, mit einem Taxi in Richtung Hamburg zu flüchten.

Die vor dem Landgericht Itzehoe angeklagte ehemalige Sekretärin des Konzentrationslagers Stutthof ist inzwischen gefasst worden. Ein Arzt prüfe nun ihre Hafttauglichkeit, teilte Landgerichtssprecherin Frederike Milhoffer mit. Die 96-jährige Irmgard F. war am Morgen nicht zu einem Gerichtsprozess erschienen, in dem sie wegen Beihilfe zum Mord in 11 000 Fällen angeklagt ist. F. habe das Altenheim in Quickborn im Kreis Pinneberg mit einem Taxi in Richtung Hamburg verlassen, hieß es.

Nachdem F. geflüchtet war, hatte das Gericht Haftbefehl erlassen. Ob dieser vollstreckt oder F. von der Haft verschont bleibt, wird nun geprüft. Der nächste Verhandlungstag ist für den 19. Oktober vorgesehen.

Im Verhandlungssaal, der in einem Industriegebäude liegt, warteten am Donnerstagmorgen mehr als 50 Journalisten und Zuschauer, zwölf Vertreter der 30 Nebenkläger, der Verteidiger und weitere Prozessbeteiligte. Geplant war zum Auftakt des Prozesses die Verlesung der Anklage.

Der Angeklagten wird vorgeworfen, als Stenotypistin und Schreibkraft in der Lagerkommandantur des KZ Stutthof zwischen Juni 1943 und April 1945 den Verantwortlichen des Lagers bei der systematischen Tötung von Gefangenen Hilfe geleistet zu haben. Im KZ Stutthof und seinen Nebenlagern nahe Danzig sowie auf den sogenannten Todesmärschen zu Kriegsende starben nach Angaben der für die Aufklärung von NS-Verbrechen zuständigen Zentralstelle in Ludwigsburg etwa 65 000 Menschen.

Das Internationale Auschwitz-Komitee hat sich empört über die Flucht der Angeklagten geäußert. "Darin zeigt sich eine unglaubliche Verachtung des Rechtsstaats und auch der Überlebenden", sagte Vize-Exekutivpräsident Christoph Heubner. Das Komitee vertritt KZ-Überlebende und deren Angehörige.

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