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Mord an französischer Geisel:"Feige, grausam, schändlich"

1500 Soldaten suchten den Entführten. Vergeblich: Islamisten haben einen französischen Touristen in Algerien ermordet. In Frankreich herrscht Entsetzen. Premier Valls verteidigt die Luftangriffe gegen die IS-Terrormiliz.

Der Titel des Videos ist von brutaler Eindeutigkeit: "Blutige Botschaft an die französische Regierung." Und das ist dann zu sehen: Vier bewaffnete und maskierte Dschihadisten umgeben einen knienden Mann, mit offenbar hinter den Rücken gebundenen Händen. Es ist der entführte Franzose Hervé Gourdel. Einer der Dschihadisten verliest eine Botschaft, in der er eine Intervention der "kriminellen französischen Kreuzfahrer" gegen Muslime im Irak, in Mali und Algerien anprangert. Gourdel sagt: "Hollande, Du bist Obama gefolgt." Dann sagt er seiner Familie, dass er sie liebe, und wird enthauptet.

Der französische Präsident François Hollande bestätigte am Abend bei den Vereinten Nationen in New York die Ermordung Gourdels. Er sprach von einem "feigen, grausamen, schändlichen" Verbrechen. Gourdel sei gestorben, weil er Bürger eines Landes gewesen sei, das den Terror bekämpfe; "und weil er Teil eines Volkes ist, das die menschliche Würde gegen die Barbarei verteidigt". Hollande versicherte, er sei auch nach dieser Tat völlig entschlossen. Die militärischen Luftoperationen Frankreichs gegen Stellungen der Terrormilz Islamischer Staat im Irak würden so lange wie nötig fortgesetzt. Schon am heutigen Donnerstag solle der Sicherheitsrat in Paris über die weitere Strategie beraten. "Frankreich wird vor dem Terrorismus niemals zurückweichen", versicherte Hollande. "Das ist seine Aufgabe und seine Ehre."

1500 Soldaten suchten nach dem Entführten - vergeblich

Der aus Nizza stammende, 55 Jahre alte Bergführer Gourdel war am Samstag in die gebirgige Kabylei gereist, eines der ärmsten Gebiete Algeriens, um dort für zehn Tage auf Trekkingtour zu gehen und zu fotografieren. Seiner Mutter erzählte er am Sonntag am Telefon, es gehe ihm gut und er werde die kommenden Tage wohl schlecht erreichbar sein. Am selben Tag wurde der Vater zweier Kinder offenbar im Nationalpark Djurdjura gekidnappt. Zu der Tat bekannte sich eine Dschihadisten-Gruppe namens Dschund al-Khilafa (Soldaten des Kalifats), die mit dem in Syrien und im Irak agierenden "Islamischer Staat" verbunden ist. Die Gruppe drohte am Montag, ihre Geisel innerhalb von 24 Stunden zu ermorden, wenn Frankreich nicht seine Militärschläge gegen den Islamischen Staat einstelle. Frankreich hat sich vor kurzem als erster Staat an den US-Luftangriffen auf den Islamischen Staat beteiligt. Premier Manuel Valls verteidigte dies bei einem dramatischen Auftritt in der Nationalversammlung. "Unsere nationale Sicherheit steht auf dem Spiel, wie nie zuvor in den vergangenen Jahren." Zudem sei die Sicherheit der ganzen Erde in Gefahr. "Frankreich wird da seiner Verantwortung gerecht werden, weil wir ein ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates sind." Den IS nannte Valls eine "Versammlung von Mördern" und "Beleidigung" für den Islam.

Panne am Flughafen

Die Terrormiliz hatte am Montag zur Ermordung von Bürgern jener Länder aufgerufen, die den Islamischen Staat bekämpfen, und nannte insbesondere Amerikaner und Franzosen. Entsprechend hoch ist die Sorge vor Anschlägen in Frankreich. Die Sicherheitsbehörden versuchen, französische Islamisten, die aus den Kämpfen des Nahen Ostens zurückkehren, zu überwachen. Dabei kam es jetzt zu einer schweren Panne. Die Polizei wollte drei Männer, die aus Syrien zurückkamen, am Pariser Flughafen Orly festnehmen. Die Männer landeten jedoch in Marseille, wo sie ohne aufzufallen die Sicherheitskontrollen passierten und einreisten.