Morales in Wien gestrandet:Proteste in Lateinamerika

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In Lateinamerika hat der erzwungene Zwischenstopp scharfe Proteste hervorgerufen. Selbst die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), gewöhnlich von den USA dominiert, verlangten eine "Erklärung". "Nichts kann einen Akt von solcher Respektlosigkeit gegen das höchste Amt eines Landes rechtfertigen", sagte OAS-Generalsekretär José Miguel Insulza in Washington. Alle involvierten Staaten müssten eine Erklärung zu den Gründen dieser Maßnahme abgeben, die das Leben des Präsidenten eines OAS-Mitglieds gefährdet habe, forderte der Chilene.

Ecuadors Staatschef Rafael Correa und seine argentinische Kollegin Cristina Fernández de Kirchner forderten die Einberufung einer außerordentlichen Sitzung des südamerikanischen Staatenbundes Unasur, um gegen die Einschränkung der Bewegungsfreiheit eines Präsidentenkollegen zu protestieren.

Morales verbrachte die Nacht sichtlich konsterniert im VIP-Bereich des Wiener Flughafens. Er überließ es Verteidigungsminister Rubén Saavedra, der sich ebenfalls an Bord der Maschine befand, vor Journalisten den angestauten Unmut abzulassen: Die erzwungene Landung werde als "direkter Angriff auf den Präsidenten" gewertet, sagte der. Die beteiligten Länder seien "Werkzeug einer äußeren Macht" gewesen. Gemeint waren natürlich die USA.

Eine weitere Nacht muss Morales nicht in Wien verbringen. Alle Länder sollen das Überflugsverbot aufgehoben haben, hieß es am späten Vormittag. Wie das spanische Außenministerium mitteilte, gewährt die Regierung in Madrid der Maschine des bolivianischen Staatschefs auch einen Zwischenstopp auf der Kanaren-Insel Gran Canaria zum Auftanken.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer am Wiener Flughafen, sagte Morales, er habe es dennoch abgelehnt, mit dem spanischen Botschafter in Wien die Präsidentenmaschine zu inspizieren beziehungsweise dort gemeinsam "einen Kaffee" zu trinken. Wenig später startete die Präsidentenmaschine in Richtung Bolivien.

Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und AFP.

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