Süddeutsche Zeitung

Monti benennt neues Kabinett Italiens:Experten ohne politischen Ballast

Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, aber Italien ist gut aufgestellt: Der designierte Ministerpräsident Mario Monti hat sein Kabinett präsentiert, das das Land nun aus der Krise führen soll. Die neuen Minister sind angesehene Fachleute auf ihrem Gebiet. Auf Politiker hat Monti verzichtet - und sieht darin eine große Chance.

Andrea Bachstein

Wenn auch nicht alle Köpfe über Italien hinaus bekannt sind - es ist eine ausgesprochen respektable Mannschaft, die Ministerpräsident Mario Monti ins Rennen schicken will. Dass dieses Kabinett wirklich einen Wettlauf gegen die Zeit aufnehmen wird, darauf hat Monti selbst hingewiesen. Denn die Märkte, so viel ist in den letzten Tagen schon klar geworden, gewähren keinerlei Atempause. In Corrado Passera, dem Chef der zweitgrößten Bank Italiens mit mehr als 50 000 Mitarbeitern, hat er auf jeden Fall jemanden im Team, der auch in der Finanzwelt ernst genommen werden muss.

Monti hat aber personell auch bestätigt, dass seine Regierung die Moral in die Politik zurückholen will und dass soziale Gerechtigkeit für sie ein hohes Gut bedeutet. Dafür steht geradezu als Symbolfigur der neue Minister Andrea Riccardi, der Gründer und Präsident der internationalen katholischen Gemeinschaft St. Egidio.

Es war eigentlich nicht Montis Wunsch gewesen, dass in seinem Kabinett kein zuletzt in Regierung oder Parteiämtern aktiver Politiker sein würde. Dass am Ende dennoch nur "Techniker", Experten also, in seinem Kabinett Platz gefunden haben, das haben ihm am Ende die Parteien abverlangt.

Monti hat aber nicht nur mit vielversprechenden Fachleuten das Beste daraus gemacht. In der Abwesenheit von Politikern sieht er nun die große Chance seiner Regierung: Sie wird möglicherweise leichter arbeiten können ohne den quälenden Ballast erbitterter Politschlachten wie in den Berlusconi-Jahren. In einer Umfrage fanden es 59 Prozent jetzt auch unwichtig, ob Monti links oder rechts steht. Vorwärts heißt die Richtung, die in Italien jetzt interessiert.

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Quelle:
SZ vom 17.11.2011
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