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Mohammed-Zeichnungen in "Charlie Hebdo":Scharia-Ausgabe sorgt 2011 für Aufsehen

Auch der Zeichner und Direktor von Charlie Hebdo, Charb, wies Kritik zurück: "Wir rufen Polemik hervor, egal, was wir machen". Nach der Frage, ob Mohammed als Karikatur gezeigt werden dürfe, stelle sich die Frage, ob Muslime oder Menschen überhaupt gezeichnet werden dürften. "Zum Schluss zeigen wir nichts mehr und die Handvoll Extremisten, die auf der Welt und in Frankreich agieren, haben gewonnen".

Charlie Hebdo war bereits am frühen Mittwochmorgen an den Zeitungskiosken ausverkauft, auch im Internet konnte die Seite nicht mehr geöffnet werden. Die Polizei sicherte das Redaktionsgebäude der Zeitung und stellte den Zeichner unter Personenschutz. Regierungschef Jean-Mary Ayrault warnte vor "Auswüchsen" der Meinungsfreiheit, die die Achtung der Religionen verletzten.

Bereits im November 2011 war es zu massiven Protesten gekommen, nachdem das Wochenblatt eine Sonderausgabe dem islamischen Recht, der Scharia, gewidmet hatte und diese "Charia Hebdo" genannt hatte. Darin war der Prophet Mohammed als außerordentlicher Chefredakteur "eingeladen" gewesen. Demonstranten hatten damals das Gebäude in Brand gesetzt.

Am Samstag hatten die Proteste gegen den anti-islamischen Film "Innocence of Muslims" Frankreich erreicht: Rund 250 Muslime demonstrierten vor der US-Botschaft, nachdem sie über Netzwerke wie Facebook dazu aufgerufen worden waren. Eine weitere für kommenden Samstag angemeldete Demonstration werde die Regierung verbieten, kündigte Premierminister Jean-Marc Ayrault auf RTL an.

Mohammed-Karikaturen hatten schon mehrmals gewaltsame Proteste in der islamischen Welt ausgelöst - Anfang 2006 kamen dabei mehr als 150 Menschen ums Leben. Auslöser waren Karikaturen der dänischen Zeitung Jyllands-Posten. Auch diese Zeichnungen hatte Charlie Hebdo nachgedruckt.

© Süddeutsche.de/dpa/dapd/Reuters/rela/bero

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