Hamburg:Hier betete Mohammed Atta - Polizei schließt Moschee

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Die Taiba-Moschee in Hamburg war Treffpunkt der Attentäter vom 11. September 2001. Weil sie noch immer radikale Islamisten anzieht, lässt die Stadt das Haus schließen und verbietet den Trägerverein.

Es ist noch nicht lange her, dass Hamburger Muslime das Gotteshaus am Steindamm in "Masjid-Taiba-Moschee" umbenannt haben: das heißt "schöne Moschee". Der PR-trächtige Name hat weder dem unauffälligen Geschäftshaus mit Flachdach noch seinen Besuchern genützt. Das Gebetshaus wurde an diesem Montag wegen Islamismusverdacht von der Hamburger Polizei geschlossen - und der dahinterstehende arabische Kulturverein Taiba mit sofortiger Wirkung verboten.

Hamburger Innenbehoerde schliesst ehemalige Al-Quds-Moschee

Polizeiwagen im Hamburger Stadtteil St. Georg - die Stadt lässt die ehemalige Al-Quds-Moschee mit sofortiger Wirkung schließen.

(Foto: ddp)

Mindestens 20 Polizisten und Zivilfahnder haben um sechs Uhr morgens zugegriffen. Neben der Moschee wurden vier Wohnungen von Vorstandsmitgliedern des Vereins durchsucht und Beweismittel beschlagnahmt. "Die Moschee wird versiegelt. Damit hat der Spuk hinter den Mauern am Steindamm endlich ein Ende", sagte Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) auf einer Pressekonferenz am Vormittag.

Bekannt geworden war die Moschee im Stadtteil St. Georg durch einen jungen Mann, der dort Ende der neunziger Jahre regelmäßig betete und Gleichgesinnte traf - und am 11. September 2001 eines der beiden Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers steuerte. Der Pilot Mohammed Atta hatte mehrere der Attentäter in Hamburg kennengelernt und sie regelmäßig in der damaligen Al-Quds-Moschee getroffen. Auch der einzige in Deutschland verurteilte Helfer der Attentäter, der Marokkaner Mounir el Motassadeq, ging regelmäßig dorthin.

Fast neun Jahre nach den New Yorker Anschlägen diente die Taiba-Moschee laut des Vize-Chefs des Hamburger Verfassungsschutzes, Manfred Murck, nicht nur als symbolischer Ort für Dschihadisten aus ganz Deutschland, sondern auch als Radikalisierungszentrum. Seit 2001 wird die Moschee beobachtet.

Es habe sich gezeigt, dass sich die vom Verein abgehaltenen Schulungen, Predigten und Seminare ebenso wie die auf der Homepage des Vereins veröffentlichten Texte nicht nur gegen die verfassungsmäßige Ordnung richten, sondern dass sie auch Zuhörer und Leser radikalisierten, hieß es.

Gegen Gedanken der Völkerverständigung verstoßen

"Ein angeblicher Kulturverein hat hinter den Kulissen die Freiheiten unseres demokratischen Rechtsstaats schamlos ausgenutzt, um für den 'Heiligen Krieg' zu werben", sagte Senator Ahlhaus. "Organisationen, die sich in aggressiv-kämpferischer Weise gegen die verfassungsmäßige Ordnung und den Gedanken der Völkerverständigung richten, dulden wir nicht."

Zugleich betonte der designierte Regierende Bürgermeister, dass sich die Maßnahme nicht gegen die Mehrheit der friedliebenden und rechtstreuen Muslime in Hamburg richte. Die muslimischen Gemeinden, die sich im Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg (Schura) organisieren, distanzieren sich von der Taiba-Moschee.

Wie der Focus berichtet, sollte die Razzia eigentlich verschoben werden: Innensenator Ahlhaus habe vor seiner Wahl zum Ersten Bürgermeister am 25. August nicht als "rechter Hardliner" auffallen wollen, indem er zwei Tage vor Beginn des Fastenmonats Ramadan Ärger provoziere, zitiert das Blatt eine nicht genannte Quelle aus der Polizeispitze. "Absolut absurd", nennt ein Sprecher der Hamburger Innenbehörde die Vermutung, die Polizei habe die Razzia aufgrund des Focus-Berichts nun doch durchgeführt. "Die Aktion wurde in keinster Weise hin- und hergeschoben."

Der Schließung vorangegangen war ein Verbotsverfahren nach dem Vereinsrecht, für das die Behörden seit längerem Beweise gesammelt und dem Hamburger Oberverwaltungsgericht vorgelegt hatten. Der entsprechende geheime Gerichtsbeschluss datiert vom 30. Juli dieses Jahres und ist der Hamburger Innenbehörde nach eigenen Angaben am 3. August zugestellt worden.

Dann kam das Ende der "schönen Moschee".

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