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Möglicher Einsatz gegen den IS:Kurden fürchten die türkische Armee

Bereits zum Eingreifen? Türkische Truppen nahe der syrischen Grenze.

(Foto: AFP)

Sollten türkische Bodentruppen in Syrien eingreifen, wäre wohl schnell Schluss mit dem IS-Spuk in Kobanê. Doch die Kurden in der umkämpften Stadt wollen das gar nicht. Denn Ankaras Armee erscheint ihnen genauso bedrohlich wie die Islamisten.

Kommentar von Christiane Schlötzer, Istanbul

Die Türkei könnte nun ihre Armee nach Syrien schicken, das Parlament in Ankara hat der Regierung und den Generälen freie Hand gegeben. Würden türkische Panzer den Grenzzaun niederwalzen, wäre wohl schnell Schluss mit dem IS-Extremisten-Spuk um die syrische Kurdenstadt Kobanê. Vermutlich aber wird genau das nicht passieren.

Warum nicht? Weil dies die Kurden von Kobanê gar nicht wollen. Im türkischen Parlament hat die Kurdenpartei BDP, die gute Drähte zu den syrischen Kurden hat, gegen eine türkische Kriegsbeteiligung gestimmt. Die Kurden fürchten die türkische Armee nicht weniger als die Islamistenhorden.

Ankaras Idee, jenseits der Grenze eine Pufferzone einzurichten, macht sie misstrauisch. Die Kurden würden türkische Soldaten nicht als Befreier, sondern als Besatzer verstehen.

Mit dem Parlamentsbeschluss verbindet Ankara aber ohnehin wohl andere Absichten. Druck aus Washington hat die Türkei in die Koalition gegen den IS gezwungen. Präsident Erdoğan möchte dies nun nutzen, um die Feuerkraft der neuen westlich-arabischen Allianz gegen den Diktator in Damaskus zu richten.

Es gehört zu Erdoğans großen Irrtümern, dass er den Sturz von Assad schon zu Beginn des Bürgerkriegs vor drei Jahren erwartet hatte. Die von der Türkei geforderte Flugverbotszone soll Assads Luftwaffe ausschalten. Bislang sieht es nicht so aus, als wäre Washington dazu bereit.

© SZ vom 04.10.2014/gal

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