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Mittelschicht:Weniger Steuern - jetzt

In Deutschland geht es vor allem jenen Bürgern gut, die Aktien und Immobilien haben. Die Politik hat jetzt die Chance, ein Zeichen zu setzen, dass auch Menschen profitieren, die nur von ihrem Arbeitseinkommen leben.

Von Marc Beise

Dass es in Deutschland zunehmend ungerecht zugehe, gilt vielen Bürgern als Binse: Selbstverständlich sei das so, sagen sie, das könne man schon daran erkennen, dass es doch ganz offensichtlich immer mehr Reiche und immer mehr Arme gebe und im Übrigen kein Normalverdiener in München sich noch eine Wohnung leisten könne. Das passt allerdings so nicht zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, wonach die Ungleichheit in Deutschland seit 15 Jahren eben nicht weiter zugenommen hat.

Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sind die realen Einkommen zwischen 1991 und 2017 im Schnitt um 20 Prozent gestiegen, seit 2013 profitierten davon so gut wie alle Einkommensschichten. Und dank der guten Konjunktur gelang zuletzt mehr Menschen als früher der Aufstieg in die Mittelschicht. Aber wahr ist auch: Es macht einen Unterschied, womit jemand sein Geld verdient. Wer von seinem Angestellteneinkommen lebt, wird selten Ausreißer nach oben erleben, anders als derjenige, der sein Geld mit Wertpapieren verdient oder Immobilien in den richtigen Lagen besitzt.

Deshalb muss die Politik ein deutliches Signal geben, dass sich Leistung für alle Verdiener lohnt. Wenn es jetzt wegen der Corona-Krise zu Steuererleichterungen kommt, wäre das in schlechten Zeiten eine gute Nachricht.

© SZ vom 09.03.2020

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