Mittelmeer:Tote auf Boot gefunden

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Mitglieder der Besatzung des deutschen Motorsegelschiffs "Nadir" legen mit einer Axt den Weg zum Unterdeck des Migrantenbootes frei. (Foto: Eleana Elefante/dpa)

Die Menschen im Unterdeck sind offenbar an Benzingasen erstickt oder von ihnen ohnmächtig geworden und im vollgelaufenen Schiffsrumpf ertrunken.

Bei einem Einsatz auf dem Mittelmeer haben Seenotretter zehn Tote aus dem Inneren eines Flüchtlingsbootes geborgen. Die Crew des Segelschiffs Nadir habe die Toten in dem mit Wasser vollgelaufenen Unterdeck eines Holzbootes entdeckt, teilte der Betreiber-Verein Resqship am Montag in Hamburg mit. 51 Flüchtlinge und Migranten seien bei dem Einsatz in der Nacht auf Montag südlich der italienischen Insel Lampedusa gerettet worden.

Den Angaben zufolge fand die Crew der Nadir das nicht seetaugliche Holzboot nach einem Notruf der Initiative Alarmphone. Die Menschen im Unterdeck seien an Benzingasen erstickt oder von ihnen ohnmächtig geworden und im vollgelaufenen Schiffsrumpf ertrunken, sagte Skipper Ingo Werth. Zwei bewusstlose Menschen konnten demnach lebend aus dem Unterdeck gerettet werden. Alle Überlebenden wurden laut Resqship am Montagvormittag an die italienische Küstenwache übergeben.

Um den Transport der zehn Toten habe sich die Crew der Nadir gekümmert. Die Geflüchteten waren den Angaben zufolge aus Libyen gestartet. Die Hälfte von ihnen komme aus Bangladesch, hieß es. Auch Menschen aus Pakistan, Syrien und Ägypten seien an Bord des Holzbootes gewesen.

Weiteres Boot gekentert – viele Vermisste

Ein weiteres Unglück ereignete sich in der Nacht auf Montag rund 100 Meilen vor dem süditalienischen Festland. Wie die Zeitung Avvenire berichtet, werden nach dem Untergang eines Segelbootes dort mindestens 50 Menschen vermisst. Zwölf Personen konnten gerettet und ins kalabrische Roccella Ionica gebracht werden.

Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten weltweit. Immer wieder wagen Geflüchtete in oft kaum seetauglichen Booten aus nordafrikanischen Ländern wie Libyen oder Tunesien die Überfahrt nach Europa.

Seit Beginn des Jahres kamen nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mindestens 923 Menschen bei der Überfahrt ums Leben oder sie werden vermisst. Die Nadir des 2017 gegründeten Vereins Resqship beobachtet die Fluchtbewegungen auf dem Mittelmeer. Immer wieder kommt der 19 Meter lange Motorsegler auch in Seenot geratenen Flüchtlingen zu Hilfe.

© SZ/epd/kir/dpa - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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