Mitt Romney Romneys unvergessene Fehler

Aber Romney unterliefen zu viele Fehler. Einer davon ist schon vier Jahre her. In einem Zeitungsartikel warnte er, Staatshilfen würden die Autoindustrie ruinieren. Dabei standen General Motors und Chrysler schon vor dem Kollaps. Privatinvestoren hatten sie abgeschrieben, nur der Staat konnte noch helfen.

Obama half. Das haben die Wähler nicht vergessen. Die Autobranche ist das Rückgrat der Wirtschaft im Mittleren Westen, Hunderttausende dort verdanken Obama ihren Job. Romney hat seine Fehleinschätzung nie eingestanden oder bedauert. Oft wirkte er, als seien ihm die Leute egal, solange in Washington die Kasse stimmt. Bester Beweis dafür war seine Bemerkung, dass man 47 Prozent der Wähler als Parasiten abschreiben müsse.

Romneys Vater George war der Meinung, dass man erst Geld verdient und dann in die Politik geht. Nur so, fand er, könne man unabhängig sein. So gesehen ist Mitt Romney einer der unabhängigsten Politiker überhaupt: Sein Vermögen liegt bei einer Viertelmilliarde Dollar, er gehört zu den 0,006 Prozent der reichsten Amerikaner und verdient an einem Tag so viel wie ein durchschnittlicher US-Haushalt im Jahr. Doch das Vermögen wurde ein Fluch für Romney. Wie viele Reiche hat auch er kein Gefühl für das normale Leben, wie sein Angebot einer 10 000-Dollar-Wette im Vorwahlkampf zeigte.

Obama hat Romneys Managerleben und dessen Vermögen monatelang für oft billige Angriffe benutzt, er beschädigte Romneys Ruf damit so nachhaltig, dass es bis zum Wahltag reichte. Die Amerikaner haben im Prinzip nichts gegen reiche Männer. George Washington, der erste Präsident, war reich, auch Franklin D. Roosevelt, der Gründer des modernen Sozialstaats. Romney aber nährte den Argwohn, indem er sich weigerte, seine Steuererklärungen offenzulegen. Männer dürfen reich sein in den USA, aber nicht herablassend gegenüber jenen, die weniger haben.

Die Republikaner diskutieren sich selbst

Die Republikaner fragen sich jetzt, warum sie die Mehrheit im Parlament behaupten, nicht aber das Weiße Haus erobern können. Manche dachten, dass Obama als historische Figur nach vier Jahren nicht zu schlagen sei. Die Jungen haben sich wohl auch deswegen für 2016 aufgespart - Paul Ryan, Marco Rubio oder Chris Christie.

Aber die wichtigere Frage ist, warum die Republikaner so hoffnungslos abseits des Mainstreams liegen. Warum sie das Lebensgefühl dieser Zeit bekämpfen. Warum sie so verbissen gegen Einwanderer vorgehen, dass ihnen die stark wachsende Gruppe der Latinos fast vollständig verloren geht. Warum sie Kandidaten für den Senat aufstellen, die vergewaltigte Frauen verhöhnen. Warum sie Schwache verachten. Warum sie so besessen wirken von Etatkürzungen, dass ihr berechtigtes und dringendes Anliegen gesunder Staatsfinanzen abstoßend wirkt. Die Diskussion darüber hat schon am Wahlabend begonnen.

Mitt Romney dürfte in diesen Debatten keine große Rolle mehr spielen. Er hat zwar alles gegeben, aber er ist jetzt 65, und er hatte seine Chancen. Beim Parteitag hat die junge Garde zwar emsig für ihn geworben, aber jede Lobesrede auf ihn war auch eine Bewerbungsrede in eigener Sache.