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Mitgliederentscheid der Nord-SPD:Kieler Selbstbefreiung

Der neue Spitzenkandidat Torsten Albig hat sich zwar nicht als der große Star erwiesen - trotzdem war der Mitgliederentscheid der SPD in Schleswig-Holstein ein Erfolg: Er hat die Partei wiederbelebt.

Jens Schneider

Wirklich schlimm sind die Niederlagen, aus denen man nichts lernt. Im Herbst 2009 haben die Sozialdemokraten im Norden die Wahl selbst gegen den schwachen CDU-Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen verloren. Viele von ihnen schrieben die Niederlage ihrem Frontmann Ralf Stegner zu.

Machtkampf in schleswig-holsteinischer SPD

Torsten Albig (rechts) wird Spitzenkandidat der schleswig-holsteinischen SPD, Ralf Stegner (links) ist unterlegen - derMitgliederentscheid hat die Partei wiederbelebt.

(Foto: dpa)

Seine Streitlust komme beim Bürger nicht an. Sie klagten über Stegner, über seinen Führungsstil, seine Tricks. Er habe die Nord-SPD zur Geisel seiner Ambitionen genommen. Aber niemand forderte ihn heraus. Man konnte das feige finden oder hilflos: Die parteiinternen Gegner ließen ihn gewähren, weil kein anderer da war. Und so litt die Partei an sich selbst, gelähmt von Misstrauen, ohne Perspektive.

Erst als im Herbst 2010 die Aussicht auf baldige Neuwahlen über das Land kam, erwuchs Stegner im Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig endlich ein Herausforderer. Die Mitgliederbefragung über die Spitzenkandidatur wurde jetzt zum fulminanten Befreiungsschlag.

Zwar hat Albig sich zuvor in den Vorstellungsrunden keineswegs als der große Star erwiesen, als den manche ihn sehen wollten. Aber ihm traut die Basis zu, mit seinem verbindlichen, soliden Auftreten Wahlen zu gewinnen. Also siegte er deutlich, und Stegner kann jetzt nicht mehr für sich beanspruchen, als Vorsitzender für die Partei zu sprechen.

Wichtiger noch ist, dass außergewöhnlich viele SPD-Mitglieder, rund 70 Prozent, abgestimmt haben. Das ist das bestmögliche Argument für eine Mitgliederbefragung und ein Zeichen über Kiel hinaus: Der Wettkampf hat die SPD wiederbelebt. Die Basis hat gezeigt, dass die Partei nicht nur aus den Funktionären besteht, unter denen Stegner viele Getreue hat. Sie hat ihre Partei selbst befreit.

© SZ vom 28.02.2011/mob
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