Mit Polonium vergifteter Kreml-Kritiker:Russland soll an Tod Litwinenkos beteiligt gewesen sein

Eine britische Untersuchung löst neue Spekulationen um den Mord an Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko aus. Dem Bericht zufolge gibt es Hinweise, dass der russische Staat an dem mysteriösen Tod beteiligt gewesen sein soll.

Die Untersuchungsergebnisse über den Tod des ehemaligen russischen KGB-Mitarbeiter und Kreml-Kritiker Alexander Litvinenko könnten für neue diplomatische Verwerfungen zwischen Großbritannien und Russland sorgen. Bei einer Voranhörung in London sagte Hugh Davies, der für die Untersuchung zuständige Anwalt, es gäbe Hinweise, dass sich Russland in dem Fall schuldig gemacht habe.

Dem britischen Guardian zufolge sei Litwinenko zum Zeitpunkt seiner Vergiftung im Jahr 2006 ein Agent des britischen Geheimdienstes MI6 gewesen. Litwinenko hatte sich mit ehemaligen KGB-Agenten in einem Londoner Hotel getroffen und dort wohl einen mit Polonium versetzten Tee getrunken. Kurz danach war er verstorben. Spuren brachten den ehemaligen KGB-Mitarbeiter Andrej Lugowoi in Verdacht.

Großbritannien beantragte seine Auslieferung, der Verdächtige sitzt allerdings im russischen Parlament und genießt Immunität. Dies führte 2007 zu einer diplomatischen Krise zwischen den beiden Ländern. Lugowoi erklärte, Litwinenko habe sowohl für den MI6 als auch den spanischen Geheimdienst gearbeitet. Bei der Voranhörung am Donnerstag stellte sich heraus, dass Litwinenko und Lugowoi offenbar gemeinsam nach Spanien hatten reisen wollen, um die Behörden dort über die Verwicklung des russischen Staates in die organisierte Kriminalität zu informieren.

Anwalt Davies sagte, eine Verwicklung Großbritanniens in dem Fall sei nicht zu erkennen. Auch gebe es keine Beweise dafür, dass die Briten Litwinenko nicht ausreichend geschützt hätten. Ob die Rolle der russsischen Regierung ein Teil der weiteren Untersuchungen sein wird, sei noch nicht sicher, sagte er.

Nach der Sitzung trat Marina Litwinenkos vor die Presse und bedankte sich für die Unterstützung. Die Witwe Litwinenkos hatte die Untersuchung initiiert, die Hauptanhörung soll im Mai 2013 beginnen.

© DPA/guardian/webe/olkl
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