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Missglückter Anschlag auf deutsche Züge:"Es besteht Wiederholungsgefahr"

Die Bundesanwaltschaft vermutet eine inländische Terrorgruppe hinter den Kofferbomben, die Ende Juli in Regionalzügen in Koblenz und Dortmund abgelegt worden waren. Die Polizei hat Fotos der mutmaßlichen Täter veröffentlicht. Die Sprengsätze wurden offenbar gezündet, nur ein Baufehler verhinderte die Explosion.

Nach dem Fund zweier Kofferbomben in Nahverkehrszügen gehen die Ermittler von einem terroristischen Hintergrund aus. Die Bundesanwaltschaft fahndet jetzt nach zwei Personen, die die Koffer am Kölner Hauptbahnhof in den Zügen deponiert haben sollen.

Aufnahmen einer Überwachungskamera am Kölner Bahnhof: Zu sehen ist einer von zwei verdächtigen jungen Männern. Er trägt offenbar ein Fußball-Fan-T-Shirt mit der Rückennummer von Michael Ballack.

(Foto: Foto: AP)

Bundesanwalt Rainer Griesbaum vermutet eine inländische terroristische Vereinigung hinter den versuchten Anschlägen. Bei der Konstruktion der Bomben seien handwerkliche Fehler unterlaufen, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke.

Telefonnummern aus dem Libanon

Eine Zündung habe bei beiden Sprengsätzen stattgefunden, es sei aber nicht zur Detonation gekommen. Die beiden Bomben hätten zeitgleich auf freier Strecke etwa zehn Minuten vor Eintreffen der Züge an ihren Zielorten explodieren sollen. Zeitpunkt der Zündung sei 14.30 Uhr gewesen.

Wahrscheinlich wäre mindestens der Waggon mit dem Sprengsatz ausgebrannt - der beigegebene Brandbeschleuniger hätte aber auch zu einem Übergreifen des Feuers auf andere Wagen führen können, sagte Ziercke. Eine Wiederholungsgefahr sei "durchaus gegeben".

Die Täter hätten vor der geplanten Detonation die Züge verlassen. Es habe sich also nicht um Selbstmordattentäter gehandelt. Bei den beiden Gepäckstücken seien arabische Schriftzeichen und Telefonnummern aus dem Libanon entdeckt worden.

Am Freitagmorgen wurde eine öffentliche Personenfahndung gestartet. Die beiden Kofferbomben waren am 31. Juli in Regionalzügen in Koblenz und Dortmund abgelegt worden.

Die Ermittler zeigten auf der Pressekonferenz in Wiesbaden unter anderem Bilder von Überwachungskameras des Kölner Hauptbahnhofs, auf denen zwei Personen zu sehen waren, die offenbar die Kofferbomben in die Züge transportierten.

© AP
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