Missbrauchsskandal Kirche plant Fonds für Missbrauchsopfer

Zur Entschädigung von Missbrauchsopfern wollen die deutschen Bischöfe einen Fonds einrichten. Dieser soll auch Prävention und Aufklärung unterstützen.

Um Missbrauchsopfer zu entschädigen, erwägen die deutschen katholischen Bischöfe nach Informationen der Süddeutschen Zeitung (Donnerstagausgabe), einen Fonds einzurichten oder sich an einem einem Fonds mehrerer Institutionen und des Staates zu beteiligen.

Dieser Fonds soll Opfer von sexuellem Missbrauch helfen, aber auch die Prävention und Aufklärung unterstützen. Das erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus Kirchenkreisen.

Vorbild soll offenbar jener Fonds sein, den die Bischöfe im Jahr 2000 für ehemalige Fremd- und Zwangsarbeiter in katholischen Einrichtungen im Zweiten Weltkrieg einrichtete. Er war damals mit zehn Millionen Mark ausgestattet, die dazu dienten, ehemalige Zwangsarbeiter zu entschädigen aber auch Bildungsarbeit und Begegnungen zu finanzieren.

Der Leiter des katholischen Büros in Berlin, Prälat Karl Jüsten, wollte diese Information weder bestätigen noch dementieren. Er schloss aber finanzielle Hilfen für Opfer ausdrücklich nicht aus. "Wir wollen den Opfern gesamtmenschlich helfen", sagte er der SZ, "da arbeiten wir gerade mit Hochdruck an Lösungen".

Über Formen von Entschädigungen und mögliche Summen könne er noch keine Angaben machen. Jüsten betonte, die meisten Opfer, die sich derzeit meldeten, wollten gar kein Geld, "sie wollen, dass wir sie endlich hören und ihnen endlich glauben", sagte er.

Auch seien zunächst einmal die Täter in der Pflicht, die "in der Regel keine armen Leute" seien, bei Ordensleuten die betreffenden Orden. Erst wenn Täter oder Orden zu finanziellen Hilfen nicht in der Lage seien, "sind die Bischöfe gefragt."