Missbrauchsfälle Papst sieht Skandale als Zeit der Prüfung

Benedikt XVI. äußert sich nur indirekt zu den Missbrauchsfällen - der Wiener Kardinal Schönborn bekennt sich zur Schuld der Kirche.

Zum Höhepunkt der Karwoche hat Papst Benedikt XVI. die katholischen Geistlichen zum Widerstand gegen Gewalt aufgerufen. "Als Priester stehen wir in der Nachfolge Jesu Christi als Männer des Friedens, die zum Widerstand gegen Gewalt und zum Vertrauen auf die Macht der Liebe aufgerufen sind", sagte er am Gründonnerstag im Petersdom. Zum Missbrauchsskandal äußerte er sich nicht direkt.

In seiner Predigt sagte der Papst, dass Christen sich "an das Gesetz halten und Gutes und Gerechtes tun müssten". Benedikt selbst ist vorgeworfen worden, in seiner Zeit als Münchner Erzbischof und später als Präfekt der Glaubenskongregation nicht ausreichend gegen Missbrauch vorgegangen zu sein. Kirchenvertreter halten dagegen, dass Benedikt sowohl als Kardinal als auch als Papst gegen Missbrauch gekämpft habe.

Vatikansprecher Federico Lombardi sagte, der Papst sehe die von den Missbrauchsskandalen hervorgerufene Krise der katholischen Kirche als "Prüfung für ihn und die Kirche". Auch wenn sich Benedikt körperlich gut halte, so habe er doch eine Karwoche der "Buße und Demut" zu erdulden. Seit seinem Brief an die irischen Bischöfe am 20. März hat sich der Papst zu den Missbrauchsfällen nicht mehr öffentlich geäußert.

Das Mea Culpa des Kardinals

Kardinal Christoph Schönborn, ein enger Vertrauter Benedikts, bekannte sich bei einer Messe im Wiener Stephansdom am Mittwochabend ausdrücklich zur Schuld, die die Kirche in den Jahren des Schweigens und Vertuschens von Missbrauchsfällen auf sich geladen habe.

Der Wiener Kardinal dankte insbesondere den Opfern, dass diese das Schweigen gebrochen hätten, meldete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Eingeladen zu dem Gottesdienst hatte unter anderem die kirchenkritische Organisation "Wir sind Kirche".

Schönborn sagte, es sei in einer so schwierigen Situation nicht einfach, die richtigen Worte zu finden: "In dieser Stunde sind Predigtworte daneben, sie können nur peinlich werden, oft verletzend. Schweigen wäre angebracht." In letzter Zeit sei in der Kirche vieles aufgebrochen, sagte Schönborn. Nun werde weniger weggeschaut, "aber es bleibt viel zu tun".

Glaubenskongregation verteidigt Papst gegen Kritik

Der Vorsitzende der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, verteidigte unterdessen den Papst im Fall der 200 gehörlosen Jungen in den USA, die von den 50er Jahren bis 1974 von einem Priester missbraucht wurden.

In einem Artikel auf der Vatikan-Webseite schrieb Levada, der betreffende Geistliche Lawrence Murphy hätte in den 60er und 70er Jahren aus dem Priesteramt verstoßen werden müssen. Aber weder die Diözese noch die Polizei seien gegen ihn vorgegangen.

Zwei Jahrzehnte später sei von der Diözese ein kirchliches Verfahren gegen Murphy eingeleitet und der Vatikan über den Fall informiert worden. Es sei 1996 ausgesetzt worden, weil Murphy im Sterben gelegen habe. Damals war Benedikt Vorsitzender der Glaubenskongregation, die auch für Disziplinarmaßnahmen zuständig ist. "Meine Interpretation ist, dass die Kongregation erkannte, dass der schwierige kanonische Prozess nutzlos ist, wenn der Priester stirbt", schrieb Levada.