Missbrauchsfälle:"Größte Kirchenkrise seit 1945"

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Immer mehr Gläubige rufen nach klaren Worten des Papstes zu den Missbrauchsfällen. Dieser will sich bald erklären - zu Vorfällen in Irland.

Der Vatikan hat eine Erklärung des Papstes zum sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen angekündigt.

Benedikt XVI. werde sein Schweigen brechen und schon bald in einem Hirtenbrief an die irischen Bischöfe klare Maßnahmen bekanntgeben, sagte der Chef der päpstlichen Akademie für das Leben, Erzbischof Rino Fisichella, dem Mailänder Corriere della Sera. Ob der Hirtenbrief auch auf die Fälle in Deutschland eingehen wird, ist unklar.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hatte am Freitag bei einer Audienz mit dem Papst über die Missbrauchsfälle in Deutschland gesprochen. Danach drang lediglich an die Öffentlichkeit, dass der deutsche Papst sehr erschüttert sei.

Beim traditionellen Angelus-Gebet am Sonntag in Rom sprach das Kirchenoberhaupt den Skandal nicht an. Auch beim Abendgottesdienst in der deutschen Christuskirche in Rom äußerte er sich nicht dazu. Benedikt XVI. besuchte dabei erstmals in seiner Amtszeit als Pontifex ein evangelisches Gotteshaus.

"Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit"

Das Schweigen sei auf die "Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit" des Pontifex zurückzuführen, mit der dieser sich ein Bild der Lage mache, betonte Erzbischof Fisichella. Ob der Hirtenbrief an die irischen Bischöfe auch ausdrücklich auf die Fälle in Deutschland eingehen wird, ließ er offen.

In Irland ist Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche seit langem ein Thema.

Zwei Untersuchungsberichte hatten im vergangenen Jahr tausendfachen Missbrauch von Kindern unter dem Dach der Kirche dokumentiert.

Der Papst hatte irische Bischöfe deshalb vor kurzem nach Rom zitiert. Der Vorsitzende der irischen Bischofskonferenz, Kardinal Sean Brady, gerät zunehmend unter Druck, lehnt aber einen Rücktritt ab. Nur der Papst könne ihn zu solch einem Schritt bewegen, sagte Brady an diesem Montag.

"Zeichen von Gewalt und Barbarei"

Auf Kritik aus Deutschland reagierte das Umfeld von Benedikt XVI. gereizt: "Den Papst und die gesamte Kirche in die Missbrauchskandale hineinziehen zu wollen ist ein Zeichen von Gewalt und Barbarei", sagte Erzbischof Fisichella.

Am vergangenen Freitag war bekanntgeworden, dass in Joseph Ratzingers Amtszeit als Münchner Erzbischof (1977 bis 1982) ein Priester nach Missbrauchsvorwürfen von Essen nach München versetzt worden war. In Bayern verging sich der Priester erneut an minderjährigen Jungen.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), der auch Mitglied im Zentralkomitee der Katholiken ist, bescheinigte der Kirche eine schwere Glaubwürdigkeitskrise. Im ARD-Morgenmagazin sagte er: "Die Kirche muss mit sich ehrlicher und strenger sein; und das gilt natürlich auch für den Papst." Das Vertrauen in die Kirche sei schwer erschüttert: Auch CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel mahnte eine gesamtgesellschaftliche Debatte an, da es nicht nur um sexuellen Missbrauch in der katholische Kirche gehe.

Unverständnis bei der Jugend

Die immer neu aufgedeckten Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche haben nach Einschätzung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) "zur größten Kirchenkrise seit 1945" geführt. Deshalb erwarteten die jungen Katholiken in Deutschland dazu ein klares Wort des Papstes, sagte der BDKJ-Bundesvorsitzende Dirk Tänzler.

"Außerhalb der Kirche versteht keiner, dass er sich nicht klar äußert - und ich verstehe es auch nicht", betonte Tänzler. Dabei gehe es nicht um eine Entschuldigung von Benedikt XVI., sondern er sollte seine "Betroffenheit, Sorgen und Fragen zum Ausdruck bringen und damit authentisch vermitteln, dass er unsere Sorgen und Ängste teilt", meinte der Leiter der katholischen Dachorganisation, in deren 15 Verbänden etwa 650.000 junge Katholiken organisiert sind.

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