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Missbrauch in der katholischen Kirche:Schädliche Geheimnisse

Papst Franziskus - Generalaudienz

Papst Franziskus während einer Generalaudienz auf dem Petersplatz im Vatikan.

(Foto: dpa)

Papst Franziskus begreift, dass seine Kirche viel transparenter mit Fällen sexueller Gewalt umgehen muss - und schafft das "päpstliche Geheimnis" ab. Das ist gut, denn es gibt noch sehr viel aufzuklären.

Kommentar von Matthias Drobinski

Papst Franziskus schafft das "päpstliche Geheimnis" ab, wenn es um Verfahren wegen sexueller Gewalt geht. Das ist für den Vatikan ein großer, aber längst überfälliger Schritt. Er schafft damit ein Herrschaftsinstrument ab, das die Betroffenen allzu oft im Unklaren über den Stand der Verfahren ließ. Es schützte die Täter und entmutigte die Opfer; es verhinderte die Zusammenarbeit mit den Staatsanwälten, auch wenn schon Papst Benedikt XVI. versprochen hatte, die Kirche werde mit der weltlichen Strafverfolgung zusammenarbeiten.

Als sich im Januar die Bischofskonferenzvorsitzenden aus aller Welt zum Krisengipfel trafen und berieten, welche Konsequenzen aus dem weltweiten Skandal zu ziehen seien, da gehörte die Abschaffung des "secretum pontificium" zu den wichtigsten Vorschlägen. Auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx setzte sich dafür ein.

Nun setzt der Papst in die Tat um, was er auf der Konferenz versprochen hat. Das ist ein gutes Zeichen: Franziskus hat begriffen, dass es nicht genügt, sexuelle Gewalt als Werk des Bösen zu verdammen, sondern dass es konkrete Handlungen braucht, um Klerikalismus und Vertuschung zu bekämpfen.

Damit endet, zumindest formal, die Zeit kirchlicher Paralleljustiz, die ohne jede Kontrolle von außen und Information nach außen über die Bestrafung beschuldigter Priester und Ordensleute entschied. Es gibt, wie von den deutschen Bischöfen schon länger beschlossen, von jetzt an auch im Vatikan keinen Grund mehr, Verdachtsfälle der weltlichen Justiz vorzuenthalten, wenn die Beschuldigten ein rechtsstaatliches Verfahren erwartet. Es braucht allerdings konsequente kirchliche Ermittler, die diese Zusammenarbeit mit den Justizbehörden zum Standard machen und nicht immer neue Gründe finden, warum es gerade nicht gut ist, kirchliche Akten dem Staatsanwalt zu übergeben.

Immer noch stehen die Erforschung und die Aufarbeitung des Unrechts in der katholischen Kirche am Anfang - in Rom noch mehr als in Deutschland. Seit den Achtzigerjahren mussten alle Missbrauchs-Verdachtsfälle der Glaubenskongregation gemeldet werden. Geschah das? Was geschah dann? Was tat der Präfekt der Glaubenskongregation, der die Behörde mehr als zwei Jahrzehnte leitete - Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI.? Diese Fragen warten auf ihre Aufklärung.

© SZ.de/mkoh
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